Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Vod der Wurzel usw. Der supranaturale Offenbarungsbegriff allein bietet die Schwierigkeiten, die zum Zusammenstoss von Glauben und Wissen ffihren. Wenn hier die Apologetik einsetzt und einsetzen muss, so geschieht dies wahrlich nicht aus Rechthaberei, aus dem. Streben heraus, eine von vorneherein als unhaltbar erkannte Position um jeden Preis zu stützen. Es ist der Wille zum Leben, der sich nicht unterdrücken lässt, die Ueberzeugung, dass Sein und Nichtsein des Judentums davon abhängt, ob wir in diesem Glauben verharren oder ihn aufgeben. Wir können auch eine Existenznotwendigkeit des Judentums nicht anerkennen, wenn es sich seines traditionell gefassten Offenbarungscharakters entkleidet. Seine allgemein menschlichen und religiösen Wahrheiten werden immer mehr Gemeingut der Menschheit. Das Mehr und das Andere, das Eigenartige der Erlösungsreligion — wäre es ein Unglück, wenn diese religiösen Ueberzeugungen sich die Welt eroberten? Das Judentum hat dann eine Vergangenheit, eine grosse, gewattige, aber für seine Bekenner keine Zukunft, nicht einmal eine Gegenwart. Bleibt nur der jüdische Nationalismus. Ob er eine Zukunft hat eine weltbewegende Zukunft, um die sich das zweitausendjährige Martyrium unserer Ahnen lohnt, an dieser Frage scheiden sich die Geister. Dass er der Retter der jüdischen Religion werden könnte für die, bei denen der Offenbarungsbegriff Schiffbruch gelitten, das wird bei der Verflochtenheit aller Völker in Denken und Forschen auch der kühnste Optimismus nicht hoffen dürfen. * * * Es ist uns um 80 schwerer gefallen, in den obigen Ausführungen die scharfe Trennungslinie zu ziehen, die zwischen den Bekennern und den Leugnern des supranaturalen Offenbarungsbegriffes geht, als sich Tendenzen innerhalb des religionsgeschichtlieh orientierten Judentums geltend machen, die das ernste Streben zeigen, dem gesetzestreuen Judentum sich zu nähern. Wahrlich nicht aus jüdisch-politischen Gründen, sondern aus der immer mehr wachsenden Erkenntnis, wie wenig der Rationalismus und all das, was er im Gefolge hat, die allen Juden teuren Güter zu wahren vermag, wie in der Zeit der allgemeinen Auflösung aller