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Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Von der Wurzel usw. 19 traditionellen Offenbarungsbegriffes uns in die schwierigsten Probleme verwickelt. Zahlreiche allgemein anerkannte Ergebnisse der Geistes- und Naturwissenschaft lassen sich mit ihm nicht vereinigen. Es ist nicht so sehr der Begriff der Verbalinspiration, der hier zu schaffen macht. Auch dieser ist keineswegs dogmatisch geklärt und erlaubt auf Grund mancher Talmud- und Midraschstellen eine freiere Auslegung. Es handelt sich immer um den Inhalt des in der Bibel uns Dargebotenen, der jeden Grad der Heiligkeit verliert, wenn er religionsgeschichtlich als Niederschlag zeitlicher Anschauung und menschlicher Beschränktheit aufgefasst wird. Alle anderen Grundlehren des Judentums bieten dem denkenden Menschen keine Schwierigkeiten. Sie haben fast alle rein metaphysischen Charakter und dürfen darum ihr Recht neben der Metaphysik der philosophischen Systeme behaupten. Sie lassen sich nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen. Die scheinbare Unvereinbarkeit der göttlichen Vorsehung mit der unverbrüchlichen Geltung des Kausalgesetzes, um nur ein Beispiel zu erwähnen, ist nach Analogie der Kantischen Antinomien zu erklären. Die Annahme der Willensfreiheit wird gegenüber dem Determinismus auch unabhängig von theologischen Beweggründen gefordert und bekanntlich vorzüglich von Vertretern der Rechtsphilosophie zu beweisen versucht. Ich habe auch nie verstanden, dass der Glaube an die Auferstehung dem religiösen Menschen so viel schwerer fallen sollte als der an die individuelle Unsterblichkeit der Seele. Anschaulich kann letztere sicherlich dem Menschen nicht näher gebracht werden und eigentlich auch nicht begrifflich. Sie kann nur als Postulat angenommen werden. Besonders innerhalb des Judentums ist dieser Begriff des Wie und Wo des Weiterlebens der Seele durchaus nicht geklärt. Wer hindert mich in dieser Mannigfaltigkeit auch die Anschauung anzunehmen, die ihren Niederschlag in dem Glauben an תחית המתים gefunden hat, die sicher unserem Vorstellungsvermögen adäquater ist als jene andere abstrakte. Zumal auch hier für die Annahme der Form, in der sich die Wiederbelebung vollzieht, keinerlei Bindung vorhanden ist.

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