Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293059--09524-2302811
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Von der Wurzel usw. 13 Vergehens, der Kolnidreabend und das Sterbebett auslösen. Was ist’s, was sie immer wieder von neuem zu den höchsten Opfern für ihren Glauben befähigt, was ist’s, das ihr Beten zu einem Gottesdienst im echten Geiste des Dienstes an Gott gestaltet, was ist’s, das die Jugendfrische des persönlichsten Erlebens in religiöser Gesinnung und Tat ermöglicht? Der lebendige Kontakt mit ihrem Gotte durch das Wort der Thora. Immer von Neuem wird hier ja von jedem das ״Dogma“ geschaffen durch Vertiefung in den Text der Bibel, durch eine neue Auslegung einer Agada. Die Thora ist den Menschen gegeben, sie verjüngt sich ihm alltäglich wie das Werk der Schöpfung. Aber nur weil sie als Schöpfung Gottes angesehen wird, vermag der Jude aus ihr die Gesetze des Geistes abzulesen wie aus der Schöpfung die Gesetze der Natur, weist sie ihm — des Glaubens ist er, wenn er in ihr nachschaffend liest, — die Wege, die für den Einzelnen, für Israel, für die Gesamtmenschheit zum Ziele des Heilsplanes Gottes führen. Und diese unbewusst in jedem offenbarungsgläubigen Juden lebende Idee, dass er jederzeit, wenn er Thora lernt, am Sinai steht, Geschöpf und Schöpfer zugleich der Lehren und Gebote setzenden Offenbarung vermag wohl zu ersetzen, — wir sagen zu übersteigern die Liebe und Hingabe, die einer Persönlichkeit und ihrem die Welt erlösenden Tode von den Bekennern der Tochterreligion entgegengebracht wird. * * * Dass der historische Offenbarungsbegriff auch für das Judentum und für das Judentum mehr als für jede andere Religion der einzige normsetzende Faktor ist, dieser Gedanke ist nicht neu. In Rede und Gegenrede ist er auch von mir vor anderthalb Jahrzehnten entwickelt worden1) und vor mehr denn zwanzig Jahren in der programmatischen Veröffentlichung der ״Freien Vereinigung“2). 1J J. Wohlgemuth, Die Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum; S. Samuel, Zur Weiterbildung des Judentums; J.Wohlgemuth, Gesetzestreues und liberales Judentum. 2) Dem wesentlichen Inhalt nach wieder abgedruckt in der er• wähnten Schrift: Gesetzestreues und liberales Judentum,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.