Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Von der Wurzel usw. immer gewissermassen nur nach Bedarf zu fixieren suchte. Wie unbekümmert man hier um die Festlegung, (die christlichen Theologen würden tadelnd sagen: wie bedürfnislos man war), lehrt jede tiefer in das alte Quellenmaterial und in die Geschichte der Religionsphilosophie eindringende Betrachtung. Ist es nicht schier unfassbar, dass es selbst für einen der Religion so lebensnotwendigen Begriff wie עולם הבא keinerlei feste Umgrenzung gibt, dass noch Kommentare des Maimonides uns darüber völlig im Unklaren lassen1)! Der Vorzug, der durch die Freiheit der Auslegung gegeben ist, wird stark aufgewogen durch den Nachteil jeglicher klaren Formulierung. Es gibt ja bei uns nicht die fides implicita der katholischen Kirche, die der Hierarchie ein Blankett ausstellt: ״Was ich glauben 8011, weiss ich eigentlieh selber nicht, aber mein Pfarrer, mein Bischof, der Papst wissen es für mich2״). Unter unseren Religionsphilosophen hat eigentlich nur derjenige, der Rationalist war und es sein wollte, diesem Mangel abzuhelfen sich bemüssigt gesehen (Chisdai Crescas und Albo folgen ihm mehr in Abwehr). Die mit dem ursprüngliehen, mystisch angehauchten Fühlen: ein Rabb. Bechai, ein Juda Halevi haben im Einzelnen für das Judentum Wesentliches herausgehoben, es lag aber ihrem urjüdischen Instinkt fern, Formulierungen zu geben. Aber ist das nicht, wie gesagt, ein Nachteil?! Die Geschichte des Judentums nicht nur, auch die Beobachtung des jüdischen Empfindens in den Ländern, wo das jüdische Leben noch heute in alter Kraft pulsiert, zeigt uns, dass dieser scheinbare Mangel zum grössten Vorteil ausgeschlagen ist. Sie wachsen fast alle ohne Kenntnis der Errungenschaften der jüdischen Religionsphilosophie auf, und es geht ihnen wie übrigens auch uns: nie ist aus den אד מאמץ des Maimonides jenes Feuer erglüht, das die Flammen über den Beter zusammenschlagen lässt, in denen er in Liebe und Sehnsucht zu Gott sich verzehren möchte. Das Jigdal verdankt seine Weihe nur dem Empfinden, das die Höhepunkte jüdischen Lebens und }) Jad Hachasaka Hilch. Teschuba VIII 1 ff und Kommentare. 3) A. Sabatier a. a. 0 S. 221.