Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Von der Wurzel usw. schiedenheit der Glaubenslehren“! Und was für das Judentum noch besonders ins Gewicht fällt, (denn es bleibt doch, immer im Gegensatz zum Christentum, um das für manche ominöse Wort Gesetzesreligion zu vermeiden, vornehmlich eine Religion der Gebundenheit an religiöse Pflichten), die völlige Unmöglichkeit, für die Geltung der Religionsgesetze irgend eine Norm aufzustellen. Und uns will bedünken, dass das so von seiner Wurzel losgelöste Judentum noch viel schlimmer dran ist als der moderne Protestantismus. Dieser pflegt sich dem Katholizismus gegenüber mit seiner von aussen an seine Bekenner herantretenden Autorität auf die geistige Erfahrung zu berufen, auf die innerliche Wirkung des heiligen Geistes, vor allem aber auf das grosse Erlebnis des Erlösungsaktes des Stifters, der sich in jedem Gläubigen vollzieht. Diesen Akt macht der Protestantismus nicht nur zum Angelpunkt der Religiosität des Einzelnen, sondern auch zum Centrum seiner Theologie 1). Von hier aus lässt sich die Wandelbarkeit der Grundlehren, je nach der geschichtlichen Ausprägung, die sie gefunden, das Fehlen des festen Kriteriums eher ertragen, kann man sich eher damit abfinden, dass die Lehre von der Offenbarung aus Masstab und Richtschnur zum Produkt der Theologie geworden. Das Zeugnis einer fast zweitausendjährigen Literatur, nicht minder der aus dem Volke erwachsenen, wie der philosophisch-theologischen gibt auch dem, der sich in dies Erlebnis nicht einfühlen kann, eine Ahnung von der Urgewalt, die hier hervorbricht, und die darum immer wieder von Neuem zum Kristaliisationspunkt lebensfähiger Religiosität, ja zum Ausgangspunkt eines Systems von christlichen Grundlehren gemacht werden kann. Wir kennen nicht die Vergottung einer Persönlichkeit. Diese vermag allerdings, da sie eben als Mensch unter Menschen geweilt, dem, der an das alles Menschliche Ueberragende dieser Persönlichkeit glaubt, für das religiöse Denken, Fühlen und Handeln zur sicheren ג) Vgl. E. Brunner, ßeligionsphilosophie evangelischer Theologie passim und meine Besprechung Jesch. XIII S. 205 f.