Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Von der Wurzel usw. Es ist bekannt, dass die scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten, die zu gewaltigen Geisteskämpfen aber nicht minder zu blutigen recht irdischen Kämpfen geführt, zuletzt eine Lösung gefunden, die freilich ein bis auf die heutige Zeit bestehendes Schisma zwischen der griechisch-orthodoxen und katholischen Kirche nicht hat hindern können, aber dieser letzteren selbst das ganze Mittelalter hindurch eine imposante Einheit gab. Sektenbildungen kleineren Umfanges, auch solche die eine gefährliche Wendung nahmen, wie die der Albigenser vermochten den geschlossenen Bau nicht zu untergraben. Trotzdem durch den obenerwähnten Einfluss der hellenistischen Philosophie, durch die Auseinandersetzung mit der Gnosis, durch die Kompromisse mit den Bedürfnissen der bekehrten Heidenwelt, durch die Aufrichtung der bischöflichen und der sie krönenden päpstlichen Gewalt, durch die Ansprüche der Kirche gegenüber den weitliehen Mächten, durch die Einführung und immer stärkere Hervorkehrung der Gnadenmittel, die <iie Kirche zu vergeben hat, der Inhalt der kirchlichen Lehrsätze sich immer mehr von dem, was die religiösen Quellenschriften an religiösen Wahrheiten boten, zu entfernen schienen, wurde doch an dem Grundsatz festgehalten, dass sie ihre Autorität von eben jenen Offenbarungs- Schriften abzuleiten hätten. Nur dass noch als Ergänzung die Tradition hinzukam, wie sie mündlich überliefert und durch massgebende Vertreter der Kirche fixiert war. Die Konzilien und andere geistliche Instanzen hatten die Normierung zu bestimmen, aber das Mittel, mit dem die Norm festgelegt wurde, war eben die schriftliche und mündliche Ueberlieferung. Das ging freilich nur auf dem Wege einer manchmal sehr weitgehenden Interpretation. Aber dass diese Interpretation das Richtige traf, war wenigstens das Mittelalter hindurch unter gehört demnach nicht zur Kompetenz des christlichen Dogmenhistoriker8 (S. 12). Wenn diese Ausführungen dort im Zusammenhang auch vorwiegend aus methodologischen Gründen gemacht werden, um zu erweisen, dass die Annahme einer göttlichen Offenbarung auch vom Standpunkt der Wissenschaft aus ,voraussetzungslos“ ist, so scheint uns der innere Grund für sie doch der von uns vermutete zu sein»