Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Wurzel uaw. 3 beiden grössten Gestalten, die an der Wiege der christlichen Religion standen. Vor allem! Es bedurfte einer ungeheuren und dem schlichten Verstände nicht sehr einleuchtenden Arbeit der Verfasser der urchristlichen Schriften und der ersten Kirchenväter, um darzulegen, wie ein so geschlossenes System, als das sich zum mindesten jener alten Zeit die Bibel darstellte — sie war doch noch nicht anLessings ״Erziehung des Menschgeschlechts״ und an den modernen religionsgeschichtlichen Methoden orientiert — ein System, in dem Gesetz und Lehre so untrennbar mit einander verflochten war, das entscheidende Kriterium für die Fest- Stellung aller Glaubenswahrheiten bleiben konnte, wenn man der Autorität des Alten Testaments das Rückgrat brach. Dazu kam noch ein anderes: Am Anfang schon, nicht wie bei anderen Religionen im Stadium einer spätereren Entwickelung, stand für das Christentum der Zusammenstoss mit der Wissenschaft seiner Zeit. Ja, noch mehr! Nicht eigentlich ein Zusammenstossen! Ein Zusammenfluss zweier an sich völlig verschiedener Quellen: der jüdischen Ueberiieferung und der hellenischen Weisheit, war es, was der Lehre des Christentums sein Gepräge gab. Und wenn jener Zeit auch das Streben nach Harmonisierung besonders geläufig war, wenn sie auch aus mangelnder methodischer Schulung einerseits und der Glut des Glaubens andererseits die Kluft zwischen dem Offenbarungsinhalt, wie sie ihn erfasste, und den philosophischen Theorien nicht so empfindlich spürte, es musste die entscheidende Bedeutung des ursprünglich allein massgebenden Kriteriums doch geschwächt werden1). 1J Es wirft ein Licht auf die Schwierigkeit, mit der noch heute katholische Dogmatiker in der theoretischen Grundlegung des Dogmen״ begriffes gerade inbezug auf den ersten von uns erwähnten Punkt kämpfen, wenn sie die alttestamentarische Offenbarung aus dem Bereich der Untersuchung ausscheiden zu müssen glauben. In der an sich ausgezeichneten Schrift ״Begriff und Aufgabe der Dogmengeschichte״ von Felix Haase heisst es in dem Abschnitt: ״Der Begriff Dogma“: ״Der Begriff der Offenbarung ist keine spezifisch inhaltliche Aussage des Christentums; mit anderen Worten: der Begriff der Offenbarung wird aus vor christlichen Tatsachen, besonders aus der Geschichte des Judentums, erschlossen. Die Kontroverse über die Existenz einer Offenbarung