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Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Von der Wurzel usw. umgrenzen und ihnen fiir den Religionsgenossen den Charakter unbezweifelbarer Wahrheit zu verleihen, welches war das Prinzip, auf Grund dessen die geistigen Führer ihre Autorität in der Auslegung und Formulier ung der kirchlichen Lehren sicherstellten? Es wird sich, um das Resultat gleich vorwegzunehmen, herausstellen, dass es sich letzten Endes um keine anderen Kriterien und Prinzipien handelt als wie sie das Judentum kennt, nur dass es sich bei uns, auf Grund der durchsichtigeren Verhältnisse und der grösseren Kontinuität, um einen einfacheren, gewissermassen stabileren Tatbestand handelt. Das Christentum tritt mit dem Anspruch in die Geschichte ein, das Judentum zu beerben. Wie gross der Anteil des jüdischen Erbteils im Christentum ist, war uns immer klar. Die neuere christliche Theologie hat in gründlicher Forschungsarbeit auch ihrem Kreise es zum Bewusstsein gebracht, wieviel von den christlichen Vorstellungen, Glaubenssätzen und Institutionen jüdischer Herkunft ist. In erster Reihe steht die Uebernahme der heiligen Schrift und der Glaube an die Göttlichkeit der in ihr niedergelegten Offenbarungen. Mit ihr hätte es von Anfang an einen sicheren Leitfaden gehabt, um in den mannigfachen Fragen, die die ewige Religion dem endlichen Menschen aufgibt, sich zu orientieren, eine unfehlbare Richtschnur für Lehre und Leben. Die Irrungen und Wirrungen, durch die die Entwickelung des Christentums in den ersten Jahrhunderten seines Entstehens gekennzeichnet ist, verdankt es dem Bruch mit seinem ״Erblasser״. Eine göttliche Offenbarung, die abrogiert wird, stellt die Gläubiger vor ein Nichts. Der Gegensatz zwischen dem Stifter, der gekommen war, nicht um aufzulösen, der kein Jota am Gesetze ändern wollte, und seinem grössten Apostel, der umstürzlerisch die Grundlage des Judentums hinwegzuräumen als seine Aufgabe ansah, hat zu den bekannten Kämpfen zwischen Judenchristen und Heidenchristen geführt, zu dem Schwanken in der Stellung des Urchristentums zum biblischen Religionsgesetz, wie es vornehmlich in der Apostelgeschichte, aber auch in anderen neutestamentiichen Schriften uns entgegentritt, zu der eigentlich noch heute nicht ausgeglichenen Verschiedenheit in der Bewertung der

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