Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V umn L_ 5688 שבט—אדר 15. Jahrgang Januar—Februar 1928 Heft 1/2 Von der Wurzel jüdischer Religion. Es ist in den Reihen der denkenden traditionsgläubigen Juden üblich, mit Geringschätzung auf das System der Glaubenslehren des Christentums herabzusehen. Es ist das freilich nur eine Reaktion gegen die Minderbewertung, die die christliche Theologie dem Judentum zuteil werden lässt, der die jüdische Religion vielfach nach dem bekannten Verdikt Kants überhaupt keine Religion ist, weil sie dem Gesetze eine so übermässig grosse Bedeutung zuschreiben soll und die Glaubenssätze darüber zu kurz kommen lässt, ja es zu einem durchgebildeten organisch gegliederten Bau von Lehrbegriffen überhaupt nicht gebracht hat* 1). An diese Beurteilung, die auf psychologisch tief begründete Vorurteile zurückgeht, sind wir gewöhnt. Wir unsererseits sollten uns den Blick nicht dafür verschliessen, welche ungeheure Gedankenarbeit mehr als anderthalb Jahrtausende hindurch von der christlichen Barche und ihren Theologen geleistet worden ist. Zumal wir aus der Geschichte der religiösen Bewegungen für die Behandlung der den beiden Religionen gemeinsamen Wahrheiten mancherlei lernen können und gerade für die neuere Zeit, wie unsere Ausführungen ergeben werden, die Analogien sich unabweisbar aufdrängen. Wir wollen jetzt nur einen Punkt herausheben. Aus welchen Quellen hat das Christentum seine Glaubenssätze zu schöpfen vermocht, worin fand es das Kriterium, ihren Inhalt scharf zu J) Vgl. u. a. Religion in Gesch. und Gegenwart, s. v. Dogma. 1