Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 682 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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682 Der Gottesdienst usw. Hallen der Synagogen müssen sich wieder erfüllen mit klingendem, tönendem, hallendem Gebet der Gemeinde. Nur in Freiheit erwacht die Andacht, das Selbstvergessen, die jüdische Begeisterung. So aber erschreckt uns oft die Friedhofsstille des Gotteshauses, in der mit dem Wort auf den Lippen auch die Stimme des Herzens erstirbt. Nur ein leises Gebet kennt das Gotteshaus. Es ist höchst bedeutsam, dass es als höchstes Gebet von unsren Weisen hingestellt ward. Es bildet die letzte Sprosse auf der Leiter, zu der wir emporklimmen sollen. Es ist das Gebet der einzelnen Seele; תפלה רחמיי ניינהו, es ist der letzte Ausdruck, dass jeder es wagt, für seine Person von Gottes Barmherzigkeit die ewigen Güter des Lebens zu erflehen. Zu diesem Gebet aber müssen wir reif gemacht werden durch das, was vorher im gemeinsamen lauten Gebet der Gemeinde auf uns gewirkt hat. Durch das Psalmwort soll unser Herz erschlossen werden, im Schma wir die Bereitschaft gewinnen, von neuem das Joch des himmlischen Reiches und das der Mizwaus auf uns in Gemeinsamkeit zu übernehmen und durch die Erfahrungen der Vergangenheit müssen wir von der Gewissheit der Erlösung Israels von neuem uns durchdringen, dann erst sind der Einzelseele die Flügel gewachsen, für sich selbst im leisen Einzelgebet das zu erbitten, was ihr nötig ist, um ihrerseits für die Erlösung auf Erden zu wirken und zu schaffen. Aber grade weil das Achtzehnergebet ganz allein als leises Gebet fixiert worden ist, weil es dadurch seinen einzigartigen Charakter erhalten hat, kann es unmöglich richtig sein, für alle andren Teile unsrer Gebete seine Besonderheit zu übernehmen. Wir können daher nicht entschieden genug fordern, dass die Losung des Flüstertons aus dem Gotteshause verbannt werde. Zurück zur alten Wucht des jüdischen Gebetes! Glück und Unglück, Förderer und Zerstörer des echten Gottesdienstes war ferner das jüngste Kind der Synagoge — der Chor. Er hat sich zu einer Grossmacht ausgewachsen, die das Schicksal des Gebetes entscheidend bestimmen konnte, und hat die gefährliche Probe der Macht nicht bestanden. Er hat sich Rechte usurpiert, die seine Kompetenz überschreiten,