Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 681 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Homer 1× ep/1025156
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Der Gottesdienst usw. 681 portional, zeigt sich in kleiner Gruppe am schlimmsten. Dem aus dem Ghetto tretenden Judentum war dieser Fehler, das Barock des Gebetes unerträglich, diese phantastische ekstatisch überquellende Kraft, und so entstand ein Zopfstil des jüdischen Betens, wie ihm die modernen Synagogen darbieten. Es war zunächst eine folgenschwere Geschmacksverirrung gewesen, für das jüdische Gebet die allgemeine Losung des Leisesprechens, der תפלה בלחש auszugeben, um den Lärm der Judenschul zu dämpfen. Es mögen Uebertreibungen, unwürdige Störungen vorgekommen sein; es waren Respektlosigkeiten Ungebildeter, überhaupt zu edlem Anstand, zu Selbstzähmung und Grenzen nicht erzogener Elemente. Aber die Furcht, dass jede Freiheit der lebendigen Aeusserung unserer Gefühlswelt in Missbrauch entarten muss, ist mangelndes Selbstvertrauen, Bewusstsein eigener Kulturlosigkeit. Lessing führt einmal Homer als Beispiel an, der in der Ilias die Trojaner ihre Toten ohne Klage, in stummer, starrer Ordnung, die Griechen aber mit lautem Klageschrei und Weinen sie bestatten lässt, und folgert daraus; nur das hochstehende Hellenentum scheut sich vor dem Gefühlausbruch nicht, besorgt nicht, seine Würde als Heldenvolk zu verlieren, wenn es die starken, aber edlen Affekte des Schmerzes und der Freude nicht unterdrückt oder in sein Inneres verschliesst. Nur der ״Barbar“ braucht die eiserne Fessel der Unnatur als Schutz gegen die Leidenschaftlichkeit der eignen Natur. Die deutsche Judenbeit ist gewi3s innerlich reif und erzogen genug, dass sie vor der jüdischen Gebärde nicht zu bangen braucht. Und wenn die Generationen am Beginn der Emanzipation eines Zügels vielleicht nicht entraten konnten, _ so haben unsre Synagogen mit ihrer schärferen Ordnung, die das Gleiche froh und freudig binden lehrte, längst Alt und Jung zu erhöhter Selbstzucht gebracht. Darin danken wir gewiss auch viel — und das sei gerne anerkannt — dem Wirken der Chöre auf die Gemüter. So ist es Zeit zur ״Selbstemanzipation“, zur Rückkehr zu uns selbst, zum Rythmus unsres eignen Gebets. 'בבית אללק נהלך ברגש. Wir mögen und müssen uns im Gotteshause in der Unmittelbarkeit unsres Gefühlsausdrucks ergehen können. Di<e־ 7