Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 678 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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678 Der Gottesdienst usw. glückliche Vereinigung beider dar, um durch sie auf die Bedeutung des Festes und seine Gesetze hinzuweisen. Da heute fast kein festtäglicher Gottesdienst ohne Belehrung verläuft, so ist dadurch schon eine andere Situation geschaffen, als diejenige war, unter denen die Pijutim eingeführt wurden. Die Frage, die wir uns stellen, kann daher nur so lauten: ist unsre Gebetsveranstaltung im Geiste unsrer Chachomim echt und lebenskräftig? Wie kann sie zur vollen Auswirkung als machtvolle Künderin der Gottesgemeinschaft unsres.Volkes gebracht werden? Es bedarf auchkeiner besondren Versicherung, dass kein Mittel zur Hebung des Gottesdienstes gegen die Halachah verstossen darf. Es wäre sonst das Gebet מצוד! הבאה בעברה, eine Blasphemie, eine Leugnung der Verbindlichkeit der Tradition, ein innerer Widerspruch in sich selbst, wäre irreligiöse Religion, unjüdisches Judentum. Wir rufen vielmehr unsren irrenden Brüdern zu: schafft die Orgeln ab, das Schandmal einer traurigen Vergangenheit! Habet den Mut zur öffentlichen Teschuwah, zum Bekenntnis, dass sie aus einer Zeitenverirrung erwachsen ist! Entfernt das Kainszeichen der Selbstausstossung aus den geweihten Bezirken dreitausendjähriger Ueberlieferung einer einheitlichen Glaubensgemeinschaft. Schafft sie ab, weil alle seelische Wirkung, die ihr euch von ihr versprecht, auf erlaubte, gottgewollte Weise, in Uebereinstimmung mit den Anschauungen der Judenheit aller Zeiten und Zonen erreicht werden kann. Bekennt, dass die Denkenden unter euch, die tiefst Veranlagten schon längst ein Ueberdruss an euren Versuchen gepackt hat, dass ihr mehr und mehr den Weg zurück einzuschlagen wie von selbst geführt werdet. Keiner versteht eine Halachah voll, er sei denn daran zu Fall gekommen. Ihr seid daran gestrauchelt, jetzt stellt euch fest und mutig wieder unter die unerschütterliche Halachah! Dieser Appell, der vielleicht als Kühnheit und Anmassung verlacht werden wird, wird um so grössere Kraft gewinnen, wenn wir in unseren Gotteshäusern, auf die die Irrenden trotz aller ihrer Mängel mit Neid hinblicken, die rechte Weise, die siegende Kraft des echten taimudischen Gebetes allen Schwankenden vor Augen führen. Schon diese hohe Verant-