Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 676 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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676 Der Gottesdienst usw. das Problem heranzutreten. Die unglückselige Reform hatte scheinbar dieselbe Frage zum Ausgangspunkt genommen, sie in den Mittelpunkt alles Denkens gerückt und aus ihr die Berechtigung zu ihren grundstürzenden Tendenzen hergeleitet. Aber sie hat die Frage in falscher Absicht gestellt, um dadurch nur die falschen Mittel zu ihrer Lösung zu verschleiern. Sie erstrebte mit der Angleichung des jüdischen Gebetes an nichtjüdische Kultformen eine Wesensänderung der jüdischen Tefilla und dadurch zugleich eine solche des gesamten Judentums. Sie legte die Axt an die Wurzeln des Baumes, nahm ihm die Quellen seines natürlichen Wachstums und setzte eine Kulisse dafür ein, die den Schein eines Gewächses vortäuschte. Der vollständige Misserfolg, den sie erlebte und sie zwang, Schritt für Schritt zur alten Form zurückzukehren, sprach sein vernichtendes Urteil über Mittel und Ziel ihres Unterfangens und kann unserer Gegenwart nur als ernste Warnung und abschreckendes Beispiel dienen. Darum seien zum Ueberfluss einige prinzipielle Vorbemerkungen gemacht, die jeder Missdeutung von vorneherein entgegentreten mögen, Sinn und Wesen und entscheidende Formen des Gebetes sind von unsren Weisen für alle Ewigkeit massgebend festgelegt worden. Wer an Sinn oder Wesen oder Form des Gebetes, wie sie die klassischen Meister der Lehre bestimmt haben, ändert, stellt sich ausserhalb des Judentums. ״Die Prägung, die sie geprägt“, ist erhaben über Raum und Zeit. Sie, die Schüler der Propheten, die gotterfüllten Träger der mündlichen Lehre, haben in Vollmacht der Tora die Gebete der Gesamtheit festgelegt, und auch den einzig gangbaren Weg fixiert, auf dem nach ihnen gottbegnadete Sänger und Dichter, die Paitanim, aus Kraft des Minhag den Gefühlen und Empfindungen besonders geweihter Momente Ausdruck zu geben und in den Gottesdienst einzuflechten berechtigt waren*). Denn es ist fraglos, dass sie die *) Nur, was uns beim מעריב des י״ט stillschweigend erfüllen sollte, sprechen die מערבות in Worten aus; die Gedanken, die das יוצר, die קדושה, das אד״בה רבה an grossen Tagen begleiten, nichts weiter sagen diese