Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 675 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gottesdienst usw. 675 einmal — provisorisch — auf ein Jahrhundert — alle Synagogen“! Damit es allen zum Bewusstsein komme, dass das Judentum die Heiligung des Lebens, die Durchdringung unsres Tuns und Lassens mit dem Gesetze Gottes bedeute, und nicht die Gehobenheit einer Andachtsstunde oder seelischer Erbauung, (Gesam. Schriften B. VI, S. 41—142), dennoch bleibt das Bes Haknesses Mittelpunkt alles jüdischen Lebens, einziger Ausdruck unsrer Verbundenheit als Gemeinde Gottes, Kennzeichen und Masstab der Lebendigkeit und Kraft des religiösen Sinnes. Derselbe S. R. Hirsch hat mit eiserner Energie die zentrale Stellung der Synagoge in seiner Gemeinde durcbgeführt, hat alle Nebengottesdienste mit Entschiedenheit unterdrückt, hat den Besuch jeder Gebetsveranstaltung, selbst der ständigen wochentägigen Gebete zur absoluten Pflicht gemacht und damit seiner Gemeinde einen Kitt der Herzen, ein Bollwerk gegen Zersplitterung, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geschaffen, das seines Gleichen in der Welt sucht, das bis heute gegen alle Stürme sich als dauerhaft und siegreich bewiesen hat. Uns haben heute die Gottesdienste viel zu sehr aufgehört, Problem zu sein; wir fragen nicht, ob sie auch dem innersten Wesen der jüdischen Thefilla entsprechen, ob sie eine Verwirklichung der uns in unsren heiligen Quellen gegebenen Richtschnur sind oder nicht. Wir sehen in erschreckender Weise die Verödung und Leere unsrer Gotteshäuser zunehmen, und fragen uns dennoch nicht, ob vielleicht Mängel und Fehler in Form und Art der Veranstaltungen vorhanden sind, die wohl abstellbar wären, und ob nicht dringend notwendige Massnahmen zu treffen sind, um die Ehre des Hauses Gottes und die Ehre Israels zu erhöhen, die durch ein Gebet ohne Kraft und ohne Teilname der Gesamtheit geschändet werden. Darum nehmen wir uns den Mut, diesen Fragenkomplex aufzurollen und zur allgemeinen Diskussion zu stellen. Die Frage darf nicht zur Ruhe kommen; sie sei in der schlichtesten Form behandelt, damit jeder sie verstehe und sich in sie vertiefe, damit jederman wisse: deine Sache wird hier behandelt. Eine gewisse Scheu hielt uns wohl bisher zurück, an