Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 670 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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670 Eine Leuchte der Bibelexegese usw. Abarbanels grosse Geschäfte, durch die er sich ein bedeutendes Vermögen schuf, gaben seiner sozialen Stellung einen besonderen Rückhalt. Bald wurden seine ausserordentlichen Fähigkeiten und Kenntnisse auf dem Gebiete des Staats־ und Finanzwesens allgemein bekannt• Der Ruf dieses hochgebildeten und vornehmen Mannes, den seine Glaubensgenossen in die Reihe ihrer ersten Führer stellten, drang bis zum königlichen Hofe• König Alfons V. von Portugal berief, trotz des allmächtigen Einflusses der Inquisition, diesen klugen und geschickten Juden an seinen Hof, vertraute ihm die Verwaltung des Finanzwesens an und holte in wichtigen staats־ politischen Fragen seinen weisen Rat ein. Die Stellung und der Einfluss dieses jüdischen Staatsmannes, der das volle Vertrauen und die Zuneigung des Hofkreises und des spanischen Adels sich gewann, wirkten sich auch auf die Lage aller Juden jenes Landes aus. Die Zeit, da die Juden, unter der Herrschaft der Mauren hochangesehen, die höchsten Staatsämter bekleideten, schien wiedergekehrt. Noch einmal leuchtete die Sonne des Glückes den Bekennern der jüdischen Religion in jenen Ländern, und Abarbanel selbst verlebte damals seine glücklichsten Jahre. Dass der Staatsdienst ihn in seinem literarischen Schaffen behinderte, ist verständlich. Seine Tätigkeit auf jüdischem Gebiete war damals mehr eine soziale. Sein Sohn Jehuda Leon schildert dies in den Versen: אלי עמו הכי הוא עת ומגן ומציל נענים מיד משנאים והוא עומד ונודר פרצות - ומושיע יהודים מלבאים. (Gedicht, gedruckt vor der Einleitung zum Komm. Ab.’s zu Jesaia). Er war den Waisen ein Vater und den Trauernden ein Tröster. Besonders aber hatte er tiefes Mitleid mit seinen unglücklichen Brüdern, die von der Inquisition zu leiden hatten. Ein beredtes Zeugnis seiner unendlichen Liebe zu seinen Volksgenossen und seines Mitfühlens mit ihnen in schweren Stunden, seiner opferfreudigen Mitarbeit bei einem schweren Hilfswerk, wo es sich um die Auslösung von Gefangenen handelte, ist ein auf uns gekommener Brief Abarbanels an R. Jechiel aus Pisa, kurz nachdem König Alfonso V. die afrikanische Stadt Arzilla erobert hatte, und bei