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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 657

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Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 657 (sequence 75)
Language
German
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Ueber den ״Gegensinn״ usw. 607 letzten Konsequenzen, die besonders Freuds Schüler aus dieser Lehre ziehen, zu identifizieren brauchen1. Zweifellos wird es jedem Kenner des Hebräischen schon wiederholt aufgefallen sein, dass in dieser Sprache uns Wörter anscheinend derselben Wurzel mit häufig diametral entgegengesetzter Bedeutung an hervorragender Stelle (und welche Stelle in den Heiligen Schriften ist für uns nicht hervorragend!) entgegengetreten. Die hebräischen Grammatiker haben schon in früheren Jahrhunderten vereinzelt dieser Erscheinung ihre Aufmerksamkeit zugewandt, ohne aber irgendwie nach einer Lösung des Problems zu suchen (Geschichtliches s. des näheren Landau, 1. c. p. 06 f.). Auf Grund des im Vorstehenden erörterten Freud’schen Prinzips von der Ambivalenz der Gefühle lassen sich u. E. die meisten dieser Fälle spracbpsychologisch einheitlich und nach ihrem Grundcharakter erklären und begreiflich machen. Im folgenden geben wir nach Wortklassen einige prägnante ,Beispiele von Gegensinn im Hebräischen aus der Heiligen Schrift, deren Gegensinn auf Grund des Freud’schen Prinzips sich meist annähernd erklären lässt Wir hatten die Beispiele gesammelt, ehe uns das von E. Landau (1. c) gesammelte Material zur Hand kam, wir glaubten jedoch von deren Wiederabdruck nicht abseben zu können, weil sie erstens unsre J) Wir hatten an andern Stellen (Jeschurun VIII, Heft 1—4 n a. O.) Gelegenheit genommen, uns eingehend mit gewissen abwegigen Lehren und Folgerungen der Freudjünger Reik und Abraham auseinanderzusetzen und namentlich auf deren bedenkliche Anwendung der Lehren des Meisters auf unerforschte Probleme der Religionswissen- Schaft hinzuweisen, beziehw. ihre luftigen Hypothesen zu widerlegen Dies braucht uns aber nicht zu hindern, gewisse sprachpsychologische Phänomene mit Hilfe gesicherter und unmittelbar einleuchtender Forschungsergebnisse der Freud’schen Theorie wie das über die Ambivalenz der Grundgefühle für uns nutzbar zu machen. Die Methoden der modernen Forschung (ihre Denkformen) hat die jüdische Wissenschaft sich zu eigen zn machen, ihre allzukühnen Hypothesen und Folgerungen können trotzdem abgewiesen werden. Gleicher Weg, entgegengesetzte Ergebnisse sind wohl möglich und denkbar.

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