Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 653 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den *Gegensinn“ usw. 658 aufrechterhalten. Wohl gibt es eine Kategorie von gegensinnigen Wörtern in jeder Sprache, die auf verschiedene Sprachwurzeln zurück gehen und die nur zufällig in einen gleichlautenden Stamm und Laut zusammengeflossen sind. Auch ist es wahrscheinlich, dass bei manchen Fällen von Gegensinn eklektische Einflü38e der Nachbarsprache für die Differenzierung oder Antithetik desselben Worts mitmassgebend gewesen sind (cf. Landau, 1. c. p. 42—60; cf. fürs Hebräische bes. Barth, Etymologische Studien). Jedoch schliesst u. E. die eine, die linguistische Theorie, die psychologische keineswegs aus. Ein Beispiel für viele aus dem Hebräischen möge unsre Meinung erläutern: Das Wort חסד ist im allgemeinen biblischen Schrifttum ״Gnade“, ״Güte“. Nun kommt die vielberufene Stelle Levit. 20,17, wo חסד zweifellos ״Schande“ ist (כי חסד הוא, ebenso Prov. 25,10). Nun erklärt der Nurphilologe: hier liegen zwei dialektisch verschiedene Stämme vor (cf. Landau, 1. c., p. 451), die zufällig einen gegensätzlichen Sinn bieten und gleichlautend sind, begrifflich aber nichts miteinander zu tun haben. Der Psychologe aber wird sich dabei nicht beruhigen und nach einem inneren, begrifflichen Zusammenhang der konträren Begriffe von ״Gnade“ und ״Schande“ suchen, die in dem Worte חסד zusammengeflossen und in dem Begriffe urtümlich vorhanden sind. Wenn er ein psychologisches Agens für den Zusammenfluss dieser Begriffe in ein Wort gefunden hat, dann wird er auch eher verstehen, welche immanente Kraft grade zu dieser Zusammenführung zweier scheinbar so disparater Begriffe Veranlassung gegeben hat und warum der Sprachgeist des Volkes hier eklektisch auch die gegenteilige Bedeutung der Nachbarsprache berücksichtigt und als Ausdrucksmittel gewählt hat. So willkürlich verfährt keine Sprache, dass sie ohne jede tiefere Begründung und Berechtigung ganz heterogene Begriffe in eins zusammenfas8t, nur einer dialektischen Färbung zuliebe. Man braucht nicht so weit zu gehen wie C. Abel, welcher gradezu erklärt: ״Gegensinn enthüllt sich somit als das grundlegende Denk- und Sprachgesetz der Menschheit1״. Immerhin gibt die 0 zitiert bei Landau, 1. c. p. 19.