Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 652 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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652 Ueber den ״Gegensinn“ usw. Vertiefung und Ergänzung. Gegen Abels Begründung des Gegen- 8inns mit den diakritischen Schriftzeichen im Aegyptischen (übrigens keine psychologische, höchstens eine logische, wort״ formende Begründung) liesse sich der Einwand z. B. erheben, weshalb nicht auch die andern Sprachen, ausser dem Aegyptischen, z. B. das Arabische, Hebräische, bei Wörtern mit Gegensinn in ihrer späteren Entwicklung auf verdeutlichende, unterscheidende Zeichen oder Vor- und Nachsilben (beim Verb im Hebräischen ist die3 tatsächlich geschehen, wie wir später sehen werden), bedacht gewesen sind, um differenzierende Bedeutung kenntlich zu machen. Namentlich wäre dies nötig gewesen bei Bezeichnungen mit Gegensinn, wo der Doppelbegr iff nicht räumliehe, sondern abstrakte, übertragene Vorstellungen betrifft, ebenso auf späteren Sprachstufen, wo das Bedürfnis nach Diffe- #enzierung der Begriffe als kulturmässig vorhanden supponiert werden kann. Ferner fehlt u. E. all diesen logisch-psyehologischen abgeleiteten Begründungen von Abel bis Landau (Ur- Sache und Wirkung, assoziative Kontrastwirkung, Polarität usw. als gegensatzbildende Kräfte) das einheitliche Band, die zwingende Urkraft, die die Urvölker auf ihrer primitiven Denkstufe gleichsam instinktiv, naturgesetzmässig, mit urdynamischer Gewalt zu solchen doppelsinnigen Begriffsvereinheitlichungen in solch grosser Zahl von Uranfang gedrängt haben mögen. Es gilt noch eine einheitliche Formel, ein affektiv Elementares, ein seelisch einigendes Wesensgesetz zu finden, wonach die Worte mit Gegensinn produziert und gebunden worden sein mögen. Immerhin hat sich aus dem Bisherigen das Eine ergeben,, dass namhafte Sprachforscher der psychologischen Erklärung für dieses Sprachphänomen des Gegensinns keineswegs ablehnend gegenüberstehen und ihrerseits psychologische Begründungen zu finden sich bemühen. Die Behauptung mancher Philologen, man müsse solche Spracherscheinungen von Gegensinn mit Ausscheidung aller psyehologischen Deutungen nur streng linguistisch, d. h.. lediglich auf Einfluss von Dialektunterschieden, Entlehnungen aus einer Schwestersprache zurückführen, lässt sich u. E. kaum