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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 631

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 631 (sequence 49)
Language
German
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Die Nachahmung Gottes usw. 6B1 die Grundlehren des Judentums. Hier unterscheidet sich die Lehre des Judentums Y0n allen anderen monotheistischen Religionen (mit Ausnahme des Islams, obwohl dort auch die Unyergleichbarkeit abgeschwächt erscheint). Israel ist Gott ähnlich in seiner Unvergleichbarkeit und in seinem einzigartigen Wesen. Darin ist die jüdische Lehre von der Nachahmung Gottes verschieden von der der alten Philosophen und christlichen Theologen. Beiden ist das Vorbild eines Menschen Gegenstand der Nachahmung. Wir finden eine herrliche Legende, durch die der hier uns beschäftigende Gedanke von den Agadisten vorgetragen wird38. Gott sagt zu Israel: Vor der Erschaffung der Welt priesen mich die Engel und heiligten mich durch euch. Sie sagten: ״Gelobt ist der Herr, der Gott Israels von Ewigkeit bis Ewigkeit“39. Als Adam erschaffen wurde, da fragten die Engel: ״Ist dieser es, in dessen Namen wir dich verherrlichen“? Gott sagte: ״Nein, der ist ein Dieb“! (Gen. 3,17). Da kam Noah, und sie wiederholten die Frage. Gott erwiderte: ״Nein, der ist ein Trunkenbold“! (Gen. 9,21). Da kam Abraham und wieder lautete die Antwort: ״Nein, der ist ein Wanderer“! ״Isaac liebte Esau, der mich hasst“. Aber als Jacob, d. h. Israel kam, da sagte Gott: ״Ihr seid heilig, wie ich heilig bin“. Hier, wie in allen Legenden, in denen die Väter der Welt getadelt werden, muss eine tiefere Ursache, apologetischen oder polemischen Charakters, vorliegen, die uns freilich hier nicht beschäftigen kann. Die Agada ist jedenfalls durchweht von dem Gedanken, dass Gott und Israel an Heiligkeit ähnlich sind. Die Kenesseth Israel ist, so kündet der agadische Dichter, der Vollkommenheit, der höchsten Stufe der Frömmigkeit, dem Ideale und der Realität der Religion, die in der Heiligkeit ihren Ausdruck finden, am allernächsten gekommen. Lehre und Geschichte des Judentums sind nichts weiter als ein langer und schwerer, trauriger und erhebender Kommentar dieser Gottähnlichkeit. Alle Leiden und Freuden der letzten zwei Jahrtausende, Licht und Schatten unserer Gegenwart und Zukunft sind mit diesem 38) Tanch. B. III, 72. 3ף I Chron. 16,36.

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