Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 619 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Nachahmung Gottes usw. 619 unter den Propheten, sie erreichen in mancher Beziehung die Höhe der prophetischen Vorstellung von Gott. Die Behandlung der Antropomorphismen war seit alter Zeit ein Streitpunkt zwischen den Schulen. Die Geschichte dieses geistigen Streites reicht weit zurück. Die Gegensätze der Gelehrten in der Agada werden unter diesem Gesichtspunkte viel klarer. Man denke nur an die Stellungnahme B. Akiba’s und R. Ismael’s zu diesem Probleme. Es tut der Religion keinen Abbruch, wenn man sie als antropomorphistische bezeichnet. Alle höheren Religions- Systeme sind dieser Art. Allerdings gibt es in den sogenannten höheren Religionen Antropomorphismen die man nicht schlechtweg anerkennen oder billigen kann. Im Gegenteil sie sind teilweise überwunden, veraltet und zu eng gedacht. Die Erforschung der Antropomorphismen und die Vorstellungen über dieselben in der Agada führen zum Resultate, dass Lehrer und Volk in den ersten vier Jahrhunderten eine überaus hohe Stufe der lautersten Gotteserkenntnis erreichten. Ein griechischer Denker des sechsten v. Chr. Jahrhunderts, Xenophanes, machte die ironische Bemerkung, die eines Heine würdig gewesen wäre: ״Wenn Ochsen, Pferde oder Löwen Hände hätten und zeichnen könnten oder Kunstgegenstände hervorzubringen im Stande gewesen wären, so würden Pferde ihre Götter in der Gestalt von Pferden, Löwen in der Gestalt von Löwen, und Ochsen in der Gestalt von Ochsen darstellen und ihre Körper in diesen Formen hervorbringen״ ‘. Dieses Urteil, das viel Wahres enthält, ist eine ziemlich schroffe Verdammung aller Bestrebungen und Resultate der heidnischen Religionen auf ihren höchsten Höhepunkten. Das Heidentum war vom Antropomorphismus weit entfernt, 08 huldigte einer niedrigeren Stufe des Theriomorphismus. Beide Begriffe sind wohl von einander zu scheiden! Es besteht nämlich ein himmelweiter Unterschied zwischen ihnen. Menschen zeichneten ihre Götter in Gestalten von wilden Tieren. Es ist kein Wunder, dass diese Heiden auch in den jüdischen Gottes- 4) Diels, Fragmente, 14—25. Barnett, Early Greek Philosophy. p. 119, Farneil, L. R. The Attributs of God. Oxford, 1926 p. 64 f.