Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 617 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293056--09405-2302691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Nachahmung Gottes ־usw. 617 * Die Nachahmung Gottes (Imitatio Dei) in der Agada. Von Prof. Dr. A. Marmor stein (London). I. Die frommen Lehrer der Agada waren in ihren Predigten und Lehrvorträgen erfüllt von einem heiligen Gedanken und strebten einem grossen Ideale nach. Alle Kunstmittel der Prosa und alle Erhabenheit der Poesie mündete und führte zu einer Lehre: Gott. Damals, wie heute, war und bleibt die Grundlage der religiösen Begeisterung, edler Frömmigkeit, und des höchsten Idealismus: Gott. Die Agadisten waren bestrebt, das Göttliche dem Menschen und den Menschen dem Göttlichen näher zu bringen, oder mit anderen Worten, sie bemühten sich, die Erkenntnis Gottes dem menschlichen Verstände klarer zu machen und den Menschen zur Gottähnlichkeit zu leiten. Diesen Zweck der Agada hatten bereits die alten Dorshe Reshumoth erkannt, die Gotteserkenntnis und Gottähnlichkeit wurden von ihnen als Folgen des agadischen Studiums angesehen1. Diese Wertschätzung der Agada wurde nicht allgemein anerkannt. Ernste Kritik wurde an der Agada geübt. Verurteilende Stimmen wurden laut. In den Jahrhunderten, die auf die Periode der Amoräer folgten, wurden von Geonim und Rabbinen scharfe Urteile über die Agada gefällt. Die Quellen der jüdischen Gedankenwelt und Gefühlsoffenbarungen, der Religionsphilosophie und Theologie der alten Agadisten wurden ziemlich vernachlässigt. Eine Ausnahme bildeten die Predigten und Homilien,!) s. Mannorstein, The Old-Rabbinic Doctrine of God. London 1927 p. 7 f. 3