Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 607 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vom Tier und seiner Wertung usw. 607 Jahre an Zahnschmerzen . . . Einmal lief ein Tierchen an seiner Tochter vorbei und sie wollte es töten, da sagte er: lass es! es steht geschrieben: Sein Erbarmen ist über alle seine Werke“ 1)l In der Parallelstelle schliesst die Erzählung. Da rief man: ״weil er sich erbarmt, so wollen wir uns auch seiner erbarmen“. Wenn man weiss, wie schwer jede Störung beim Thoralernen empfunden wurde, so sehr, dass der Satz geprägt werden konnte ״Wer auf dem Wege geht und lernt und unterbricht sein Lernen und sagt: Wie schön ist dieser Baum, wie schön ist dieser Acker, dem rechnet man es an, als ob er sich an seiner Seele versündigt“ 2), dann kann man erst die ganze Tiefe dieser Erzählung erfassen3). Der Psalmvers, den Rabbi hier seiner Tochter zuruft, ist ja nur ein Aus9pruch unter unzähligen anderen der Bibel, die alle von der Fürsorge Gottes für die Tiere reden. Diese Fürsorge ist nicht nur dem ״Erbarmen“ Gottes entsprungen, das Tier macht auch, wenn dieser anthropopathische Ausdruck gestattet ist, seine Freude aus. Der Psalm 104, der selbst die Erdbildung teleologisch um der Tiere willen sich vollziehen lässt, ״die hohen Berge für die Gemsen, die Felsen als Schutz für die Schefanim“4), gipfelt in den Worten ״ ישמח ה״ במעשיוGott hat Freude an Seinen Werken“. Das Wort, bei dem uns die Schauer des Erhabenen überkommen צדקתך כהררי אל משפטיך תהום רבה ״Dein Recht des Heils wie die Allmachtberge, Deine Gerichte die grosse Flut“ wird beschlossen: ״ אדם ובהמה תושיע היDu bist Menschen wie Tieren eine Hilfe“ 5). Und der ergreifende Ausklang des Buches Jona: ״Und mir sollte es nicht leid sein um Ninive, die grosse Stadt, in der mehr als zwölf Myriaden Menschen 0 Gen. R. 36, 3 vgl. Baba m. 85 a, Gen. R. 96, o e, Tanch. 3 ויחי j. Kilaim IX 4 Kr. 32 a. 2) Ab. 3,10. 3) Ueber die Anfrage, die wegen dieser Erzählung an R. Scherira Gaon gerichtet wurde — denn Tiere müssen doch geschlachtet werden und kleine schädliche Tiere vernichtet werden, — vgl. S. Kaatz Jesch. II S. 181. 4) Ps. 104,18 vgl. dazu Midrasch Tehillim Bub. S. 444. &) Ps. 36, 7.