Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 606 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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606 Vom Tier und seiner Wertung usw. sich durch Jahrtausende vererbt, sodass in Kreisen von ursprünglieh jüdischem Empfinden der Hund als Hausgenosse nicht angetroffen wird. Es hat so niemals jene innige Verbindung mit diesem dem Menschen an seelischen Werten nächststehenden Tiere bestanden, es kam daher aber auch nie zu jener Verirrung der Gefühle und gedanklichen Verkennung, die zur objektiv falschen Beurteilung führen. Das Tier der Tannaim und Amoraim ist der Esel, den sie, wie heute noch im allgemeinen im Orient als Reittier benutzen. Der Esel ist in den südlicheren Ländern bekanntlich nicht das Tier, das bei uns zum Prototyp der Dummheit geworden. Viel stolzer und selbstbewusster, dennoch wieder in verständigen Schranken gehalten: geduldig, genügsam und bescheiden. So ist er der treue Begleiter. Die Geschichte von R. Pinchas ben Jair*), dessen Esel sich weigert, das nicht verzehntete Stroh zu fressen, mag man als Fügung erklären, wie es der Talmud selbst tut לא יאנה לצדיק כל און oder sonst rationalistisch auslegen. Ergreifend bleibt immer der Ausruf des R. Pinchas ben Jair עדה זו הולכת לעשות רצון קונה ואתם מאבילין אותה ״ .טבליםDies arme Tier ist auf dem Wege, den Willen seines Schöpfers zu erfüllen, und ihr gebt ihm Verbotenes zu essen.“ Was liegt nicht alles in diesem ״ עניה זוdies arme Tier״! Das herzliche Mitempfinden mit dem Tiere, der gefühlte Abstand des Menschen von dem Tier und die starke Betonung des mit dem Menschen Gemeinsamen, das schmerzliche Bedauern, dass das Tier seinem Gefühl nicht Ausdruck geben kann. Wir haben hier ein Seitenstück zu der ergreifenden Erzählung von Rabbi und dem Kälbchen, die in verschiedenen Abwandlungen uns im Talmud und Midrasch berichtet wird. ״Unser Lehrer 8ass, sich in der Lehre mühend, vor dem Lehrhause der Babylonier in Sepphoris, da kam ein Kälbchen vorbei, das zum Schlachten geführt wurde und fing zu schreien an, als wollte es sagen ״rette mich!“ da sagte Rabbi zu ihm: was kann ich dir tun,, dazu bist du geschaffen. Und Rabbi litt von da ab dreizehn *) Chullin 7 b.