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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 603

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 603 (sequence 21)
Language
German
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Vom Tier und seiner Wertung usw. 608 <Jem Ereignis eingehen lässt, damit nicht das einmalige Wunder wie diesem Tiere, so dem Tiere überhaupt einen besonderen Glanz verleihe 1). Im natürlichen Verlauf der Welt nimmt das Tier, das ist Grundauffassung von Bibel und Talmud, dem Menschen gegenüber die Stellung ein, die ihm nach verständiger Beobachtung der Wirklichkeit zukommt• Daraus erklärt sich wohl auch, warum die Fabel in der Bibel gar nicht — die Erzählung von Jotham und Abimelech ) ist eine Parabel — und in Talmud und Midrasch nur selten vorkommt, obwohl doch das משל למה הדבר דומה leicht dazu verleiten sollte. Die Fabel lässt vorzüglich die Tiere sprechend auftreten. Sie wählt eine Episode aus ihrem Leben, um eine Wahrheit zu künden. Wie kommt es, fragt Lessing in seinen Abhandlungen über die Fabel II, dass die Fabel vorzüglich Tiere verwendet• Und nachdem er die Erklärungen seiner Vorgänger widerlegt, meint er: ״wegen der allgemein bekannten Bestandheit der Charaktere*: In der Tat hat Lessing hier das Rechte getroffen. Es werden nicht Menschen redend eingeführt, weil man bei ihnen nicht an eine ganz bestimmte ausgeprägte Charakterseite ohne Weiteres denkt, es sei denn, dass man bestimmte Typen nennt. Das Tier der Fabel ist demgemäss der Begriff des Tieres, der mehr abstrahiert ist, es ist nicht das Tier mit dem man zusammenlebt, das man aus Beobachtungen und Erlebnissen kennt und das gar nicht einen so ausgeprägten Charakter hat, vielmehr in den verschiedenen Individuen das Typische mannigfach variiert. Die Fabeldichter treten uns darum auch erst in einer Zeit entgegen, in der man dem Tier ein wenig entfremdet ist, aus der Tradition gleichsam nur seine Wesenszüge kennt. Die Gestalten und Sprecher in Bibel und Midrasch stehen aber alle dem Tiere noch zu nah, als dass sie nicht doch auch die Unbeständigkeit und das Differenzierte an ihnen erkannt hätten. *) Num. Rabbah 20,12. 2) Ri. 9, 7—20.

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