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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 600

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 600 (sequence 18)
Language
German
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600 Vom Tier und seiner Wertung usw. tant der Gottheit wird so im Heidentum die Tierseele an die Gottheit herangerückt, im Judentum ist die Tierseele nur Ersatz und Stell Vertreterin der M enschen seele, sie bleibt daher; immer noch deutlich von ihr geschieden1). Das Opfer ist nicht aber bloss Sühneakt, sondern auch das Symbol der Hingabe. In jedem Sühneakt freilich ist das Moment der völligen Hingabe implicite enthalten, die schuldige Seele will ihres Seins verlustig gehen. Aber die Darbringung der Dank־ und Friedensopfer, vieler Gemeindeopfer lässt sich nicht als symbolische Sühnehandlung fassen. Vielmehr sind sie der Ausdruck der Empfindung, dass wir nichts aus eigener Kraft besitzen, der völligen Unterordnung unter Gott, die bereit ist selbst das Leben Ihm zu opfern, des Einswerdens mit Ihm auch in den Stunden des Glückes. Milde und Sanftmut, alle zarten Regungen der Seele müssen hier sich im Opferakt spiegeln. Und der Talmud hat hier den tiefen Sinn der biblischen Bestimmung erfasst, die im Gegensatz zum Heidentum nur wenige Tiere als Opfer zulässt: ״Gott sucht den Verfolgten : das Rind wird vom Löwen, das Lamm vom Wolf, die Ziege vom Pardel verfolgt. Bringt mir kein Opfer von den Verfolgern, sondern von den Verfolgten“ 2). Selbstverständlich bleibt für Bibel und Talmud die Kluft bestehen zwischen der vernünftigen Seele des Menschen und der unvernünftigen der Tiere. Es ist allen Ernstes der Vorwurf gegen die Bibel erhoben worden, sie habe dadurch, dass sie den Menschen im Ebenbilde Gottes erschaffen lasse, den Tieren die Seele abgesprochen. Mit Recht hat man dem entgegengehalten, dieser Unterschied werde wohl bestehen bleiben, so lange die Esel nicht sprechen können. Wenn auch nicht für die erhöhte Wertung der Tierseele so doch für die Würde des Tieres ist die Frage von Bedeutung: Sind die Tiere um des Menschen willen geschaffen, oder sind sie Selbstzweck? In der Bibel selbst ist eigentlich keine Stelle 1) Vgl. C. W. F. Bähr Symbolik des Mosaischen Kultus, B. IIS. 196—268. 2) Tanch. Bub. Lev S. 91.

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