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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 599 (sequence 17)
Language
German
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Vom Tier und seiner Wertung usw. 599 nur die Bedeutuug, das Blut für die Sprengung zu gewinnen. Warum aber geschieht die Sühne durch das Blut? Weil die Seele in Blut ist. Dass das Blut eine körperliche Masse ist, war natürlich wohlbekannt, aber ebenso wurde allgemein angenommen, dass es Träger und Werkzeug der mit ihm verbundenen נפש ist. Aber auch לכפר על נפשודכם: Die Seele des Opferblutes steht in Beziehung zur Seele des Opfernden. Mensch- und Tierseele stehen sich eben nahe, sodass die Tierseele eintreten kann für die Menschenseele. Allerdings ist נפש eben die dem Tiere verwandte Seele, der Sitz des gesamten Begehrungs- Vermögens, wenn auch zugleich der höheren Affekte. Das Blut soll durch die mit ihm verbundene נפש dieser Art sühnen für das irre gegangene Begehren der נפש. dieses Trägers der Selbstsucht im Menschen. Es ist aber bei eingehenderer Betrachtung noch deutlicher zu machen, dass auch beim Opferkultus im Judentum der Tierseele die rechte Stellung eingeräumt wird: Aehnlichk e i t aber nicht Gleichheit. Auch dem Opfer im Heidentum — das weiter auszu führen ist hier nicht möglich — liegt ein tiefer Sinn zu Grunde. Aber dort weist das Opfer mehr auf die Gottheit hin als auf den Opfernden. Keinem alten Volke fehlt ein Opfer, das nicht unmittelbar Repräsentant der Gottheit wäre. Selbst im Einzelzeremonial sucht man eine gewisse innere Beziehung zwischen der Beschaffenheit des Opfertieres und dem Wesen der Gottheit, der es dargebracht wird, auf. Männlichen Gottheiten werden männliche, weiblichen weibliehe Opfertiere geschlachtet, Himmelsgöttern schneeweisse Rinder, Gottheiten der Unterwelt dunkle etc.1). Als Repräsen- Sühneakt, die Strafe etwa vollzogen wird für das Vergehen des Opfernden. Dafür ist nicht die geringste Andeutung in der Bibel selbst gegeben, ebensowenig in den schliesslich berufensten Interpreten, den midraschisch-talmudisehen Quellen. Es müsste dann, wie schon von nicht jüdischer Seite betont wird (vgl. Hauck Realenc. für prot. Theol. s. v. Opfer) auch das Schlachten auf dem Altar selbst und nicht neben dem Altar erfolgen. Das sei besonders betont gegenüber dem kürzlich vorgebrachten Argument, dass die Qualen des Tieres beim Schlachten des Opfers die Schmerzen und Qualen zum Ausdruck bringen sollen, die der Opfernde eigentlich erleiden müsste. 0 G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer2 1912 S. 418.

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