Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 595

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 595 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293056--09383-2302669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

595 Vom Tier und seiner Wertung־ usw. angewandt werden, dumm und klug in Charakterisierung verschiedener Grade der Intelligenz. Der Esel, der in den südliehen Ländern doch nicht die klägliche Rolle spielt wie bei uns, wird das dümmste der Tiere genannt1). Merkwürdigerweise werden aber Beispiele von ungewöhnlicher Ueberlegung auch beim Ochsen gebracht. Auch hier im Rahmen einer halachischen Erörterung. Es ergibt sich aus der Notwendigkeit eine Mischna zu erklären, — das Nähere würde hier zu weit führen — dass wenn der Besitzer eines Ochsen dafür haftpflichtig sein soll, wenn sein Tier am Sabbath einen Garbenhaufen entzündet, die Mischnah nur von einem Fall sprechen kann, wo diese Brandstiftung mit der Absicht ausgeführt wird, dadurch die Asche zu gewinnen, d. h. also ״von einem klugen Ochsen, der eine Wunde im Rücken hat und nun etwas verbrennen will, um sich in der Asche zu wälzen“. Gibt es denn dergleichen, fragt der Talmud. Jawohl! Da war ein Ochse bei R. Papa, dem schmerzten die Zähne, da warf er von einem Bierfass den Deckel ab (R. Papa war Brauer) trank das Bier und war geheilt 2;. Dieser Bericht und der andere Fall, der daraus erschlossen wird, sind übrigens ein gutes Beispiel für das Problematische zu weit gehender Schlüsse aus tatsächlichen Beobachtungen. Wir erfuhren oben, dass das von der modernen Tierpsychologie gerügt wird. Wir haben keinen Grund an dem Vorfall in der Brauerei des R. Papa, der uns nüchtern berichtet wird, zu zweifeln. Der Schluss aber, diesen Vorfall auf eine V erknüpfung einer Reihe von Ueberlegungen zurückzuführen und aus ihm nun die Möglichkeit einer noch komplizierteren Verstandestätigkeit abzuleiten, ist gewagt. Die Mischnah wird dann auch in der Tat anders erklärt. Ganz allgemein wird es ausgesprochen: ולא תאמר בבני אדם אלא אפילו בחיה ובבהמה נתן בהם הקב״ה חכמה Gott hat nicht nur dem, Menschen sondern auch den wilden und zahmen Tieren ״Weisheit“ verliehen s). Doch darf aus dem Zusammenhang dort nur auf die Verstandesgaben geschlossen werden, die zur Ausübung ף Num. R. 20,12. 2) Baba K. 35 a. 3) Tanch. 4 ויקהל.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.