Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 591

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 591 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293056--09379-2302665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Vom Tier und seiner Wertung usw. 591 bei vielen Tieren ausreichen, um den Gedanken die äussere Form zu geben. Sie sprechen nicht, weil sie nichts zu sagen haben 1). Und ebenso andrerseits steht unbedingt fest, dass die Tiere sich nach geistigen und Charaktereigenschaften unterscheiden, und je mehr der Mensch mit dem Tier in Verbindung tritt, hütend, züchtend, zähmend, es zur Arbeit benutzend oder mit Liebe beobachtend, desto unverständlicher erscheint ihm die Meinung, dass das Tier wirklich nicht viel mehr als eine Maschine sein sollte. Und diesem Umstand, der Vertrautheit mit dem Tier verdanken wir es auch, dass vor allem die Bibel und von ihr beeinflusst auch Talmud und Midrasch jene Stellung zu dem Tier einnehmen, die sich objektiv als die richtige erweist und zugleich geeignet ist, den sittlichen Forderungen zu genügen. Fragen wir zuerst nach der Unterscheidung zwischen Menschen- und Tierseele in der Bibel, so kann man sprachlich auf Grund der Untersuchung der Synomyma für das Wort Seele zu keinem Resultat gelangen. Auch das umfassende und gründliche Werk von Franz Delitzsch: ״System der biblischen Psychologie“ befriedigt nicht. Nicht allein נפש und דוח werden sowohl vom Menschen wie vom Tier gebraucht. Auch נשעה ist an der Stelle Gen. 7,22 כל אשר נשמת רוח חיים באפיו מכל אשר בחרבה מתו zweifellos auch vom Tiere gebraucht. Oberflächlich und unrichtig freilich ist die Behauptung2), dass נשמה an vielen Stellen noch weniger bedeutet als יוח. Unter den 24 Stellen, an denen נשמה überhaupt in der Bibel vorkommt, wird sie Gott oder dem Menschen zugeschrieben, mit Ausnahme eben dieser einen. (Gen. 7,22 kann nicht etwa den Schluss von 21 die Worte וכל האדם nur näher erklären wollen, das verbietet der Zusatz מכל אשר בחרבה.) Aber wenn auch das sprachliche Kriterium uns im Stich lässt, über die breite Kluft, die das Tier und den J) Wundt a. a. 0. S. 437. 2) Bidder, die Stellung Koheleth zum Unsterblichkeitsglauben, Erlangen 1875.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.