Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 590 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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690 Vom Tier und seiner Wertung usw. Sobald sich eine Lebensäusserung so ausnimmt, dass eine Reihe von Ueberlegungen und Schlüssen zu ihr gehört haben können, so hat dies als Beleg dafür zu gelten, dass dies auch wirklich stattgefunden. Aber diese Intelligenzpsychologie ist in Wahrheit unwissenschaftlich, denn sie verstösst gegen ein Grundprinzip methodischer Forschungsarbeit, das der Sparsamkeit in der Annahme der Faktoren, die zu einem bestimmten Resultat geführt haben sollen. Dies methodische Prinzip übertreiben aber wieder die Reflexpsychologen. Sie haben Recht, wenn sie vieles auf die angeborene Organisation des Nerven- Systems zurückführen. Zahlreiche der oberflächlichen Beobachtung als Produkte zweckbewusster Ueberlegung erscheinende Bewegungen sind zweifellos reflektorischer Art. Als Beispiel diene aus der höheren Tätigkeit des Menschen der geübte Klavierspieler, dessen einzelne Fingerbewegungen natürlich nicht Resultat einer bewussten Geistestätigkeit sind. Aber ein Wesen, das überlegt und wählt — und dass das bei Tieren der Fall ist, darüber ist kein Zweifel — muss psychische Eigenschaften besitzen. So darf man nicht, wie das den beiden Theorien gemeinsam ist, die Alternative stellen: Intelligenz oder Mechanismus. Es gibt noch ein drittes: die Instinktpsychologie: physisch und psychisch zugleich. Mit welchen Methoden diese arbeitet und zu welchen Resultaten diese führt, das kann hier nicht weiter ausgeführt werden. Genug, dass — wie bereits erwähnt, die Instinktpsychologie ein wesentliches Arbeitsgebiet auch im Dienst der Aufhellung der Psychologie des Menschen geworden. Die Frage, ob wir aus den seelischen Aeusserungen der Tiere über die wahrscheinliche Entwickelung der geistigen Eigenschaften des Menschen Aufschluss gewinnen können, mag auf sich beruhen. Das aber können wir, wenn wir von den extremen Richtungen absehen, als die auch in der Wissenschaft herrschende Meinung feststellen, dass eine scharfe Grenzlinie zwischen Tier und Mensch zu ziehen ist, dort, wo es sich um die spezifische Tätigkeit der Vernunft handelt, um logische Schlüsse und dgl. Der stringente Beweis ist das Fehlen der Sprache. Die Artikulationsfahigkeit der Sprachorgane würde