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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 587

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 587 (sequence 5)
Language
German
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Vom Tier und seiner Wertung usw. 587 Es würde zu weit führen, die verschiedenen Auffassungen hier durch die Geschichte der Philosophie weiter zu verfolgen. Die spätere Zeit ist ja noch weiter entfernt von exakter Beobaehtung. Die Auffassung von der Tierseele entspricht in jedem Einzelfall dem Vorurteil der metaphysischen Theorie. Für alle mag hier als das freilich vielleicht krasseste Beispiel Descartes gebracht werden. ״Da er die Seele dem Geist gleichsetzt, ihr Wesen allein in bewusster Tätigkeit bestehen lässt und die Empfindung für eine Art und Weise des Denkens erklärt, so sind die Tiere für ihn blosse Maschinen, belebte aber nicht beseelte Körper. Es fehlt ihnen das bewusste Wahrnehmen und Begehren, wenn auch nicht der Schein desselben. Wenn eine Uhr 7 schlägt, so weiss sie nichts davon, sie bedauert nicht, dass es schon so spät ist, sie sehnt sich nicht danach, bald 8 schlagen zu dürfen, sie will nichts, fühlt nichts, stellt nichts vor. Das ist das Schicksal des Tieres. Es sieht und hört nichts, es hungert und dürstet nicht, es freut und fürchtet sich nicht, wenn man hierunter nicht rein körperliche Vorgänge verstehen will, es hat von alledem nur die bewusstlose materielle Unterlage, es bewegt sich und in ihm bewegt sichs, das ist alles“1). An die Paradoxie dieser Auffassung knüpfen wir am besten gleich die Darstellung, die einer der bekanntesten Tierbeobachter und Tierbeschreiber gegeben. Er kann als typischer Vertreter der im Volke lebenden Meinung über die Tierseele dienen. In der Einleitung zum ersten Bande von Brehms Tierleben (II. Aufl. 1903 S. 10 f.) heisst es: Das Auge der Säugetiere müssen wir als äusseres sichtbares Bild des Geistes betrachten . . . Deshalb hat sich das Volk mit richtiger Erkenntnis längst seine Bilder gewählt und spricht mit Hecht von dem blöden Auge des Rindes, dem schönen der Giraffe, dem milden der Gazelle, dem treuherzigen des Hundes, dem Pmlosopliie“ an den im Register s. v. ״Tiere״ und ״Seelenwanderung“ angegebenen Stellen. י) R. Falckenberg Gesch. der neuen PLilosopbie6 S. 94

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