Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 586 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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586 Vom Tier und seiner Wertung usw. seiner Nahrung bestimmt, diese sollen der Menschenseele, die sich eines höheren Lebens unwürdig gemacht, zum Aufenthalt dienen. Aristoteles ist der Ansicht, dass Lebensweise, Fähigkeiten, Gemütsart und Verstand der Tiere sich denen des Menschen vergleichen lassen, die menschliche Seele unterscheidet sich in der Kindheit kaum von der tierischen. Selbst das sittliche und geistige Leben, das im Menschen zu seiner vollen Entfaltung kommen soll, kündigt sich bei ihnen in schwächeren und dunkleren Spuren an. Sanftheit und Wildheit, Furchtsamkeit und Mut, List und Verstand, sogar die wissenschaftliche Anlage des Menschen hat an der Gelehrigkeit mancher Tiere ihr Analogon. Es ist freilich trotz allem nicht Aristoteles’ Meinung, dass die Tiere das besitzen, was er unter Vernunft versteht. Die Stoiker nehmen an, dass alle Wesen von ihrer eigenen Natur ein Bewusstsein haben, sonst wäre die Selbstliebe unmöglich. Als Beweis dienen ihnen die Instinkte und die Kunsttriebe der Tiere; nur dass das Bewusstsein von Tieren und Kindern noch undeutlich ist. Aber den Tieren fehle durchaus die Vernunft sogar die Affekte, da nach den Stoikern diese auch beim Menschen aus der vernünftigen Seele entspringen. Unter den Neuplatonikern nahm Plotin die Tierseele entweder als Einstrahlung der Weltseele oder als Schattenbild der an einen Tierleib gebundenen Menschenseele. Nach Pophyr entspringen alle Einzelseelen aus der überweltlichen Seele und diese enthält jene als ihre Teilkräfte in sich, ohne sich doch an sie zu verteilen. Wegen dieser Einheit der Weltseele will Porphyr selbst den Tieren Vernunft beilegen. Unter anderem beruft er sich auf die Sprache der Tiere, die von Einzelnen auch wirklich verstanden worden sei. Eine besondere Stellung wird den Tieren eingeräumt von denen, die eine Seelenwanderung auch in die Leiber der Tiere annehmen. Empedocles erscheint der Fleischgenuss und das Töten der Tiere als der grösste Greuel, als ebenso frevelhaft wie die Ermordung von Menschen und der Genuss ihres Fleisches. In den Tierleibern sind ja auch Menschenseelen1). *) Quellen zu Obigem vgl. in Eduard Zellers üünfbändiger „Qeseh. der