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Jeschurun · 1927-11-01 · Heft 11-12 (November 1927) · p. Seite 588

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 11-12 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 588 (sequence 6)
Language
German
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588 Vom Tier und seiner Wertung usw. dummen des Schafes, dem falschen des Wolfes, dem glühenden des Luchses, dem tückischen des Aflen, dem stolzen des Löwen; denn bei all diesen Tieren ist das Auge wirklich der truglose Spiegel des Geistes . . . Schmerz und Freude, Betrübnis und Heiterkeit, Angst und Leichtsinn, Kummer und Fröhlichkeit, Hass und Liebe, Abscheu und Wohlwollen finden in dem Auge ihren stimmberedten Verkündiger ... Das Säugetier besitzt Gedächtnis, Verstand und Gemüt und hat daher oft einen sehr entschiedenen, bestimmten Charakter. Es zeigt Unterscheidungsvermögen, Zeit- Ort- Farben- und Tonsinn, Erkenntnis, Wahrnehmungsgabe, Urteil, Schlussfähigkeit; es bewahrt sich gemachte Erfahrungen auf und benützt sie; es erkennt Gefahren und denkt über die Mittel nach, um sie zu vermeiden; es beweist Neigung und Abneigung, Liebe gegen Gatten und Kind, Freunde und Wohltäter, Hass gegen Feinde und Widersacher, Dankbarkeit, Treue, Achtung und Missachtung ... Es überwindet Begierden und Leidenschaften und lernt sich beherrschen, zeigt also auch selbständigen Willen und Willenskraft . . . Auch Brehm freilich schliesst seine Darlegung mit dem Worte eines anderen Tierbeobachters: ״Alles Tier ist im Menschen* aber nicht aller Mensch ist im Tier“. Und dies Wort nun ״alles Tier ist im Menschen“ ist zum beherrschenden Prinzip der neueren Tierpsychologie geworden. Nicht in dem Sinne freilich jener naiven Beobachter, die alle Vorstellungen, Empfindungen und Gefühle ohne Weiteres vom Menschen auf das Tier übertragen, sondern als Ausdruck der Ueberzeugung, dass das Tier, das die Sinne und die damit verbundenen seelischen Funktionen doch mit dem Menschen gemeinsam hat, uns am besten Aufschluss geben kann über die Elemente auch der menschlichen Psychologie. So ist die Tier- Psychologie zu einer wissenschaftlichen Disciplin von grosser Bedeutung geworden, und ein so grosser Teil der Vertreter der Biologie und Psychologie arbeiten auf diesem Gebiet, dass auch nicht einmal die hervorragenden Namen aufgezählt werden können. Es ist bemerkenswert, dass hier die verschiedenen Richtungen auf Grund entgegengesetzter naturphilosophischer

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