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Jeschurun · 1927-09-01 · Heft 9-10 (September 1927) · p. Seite 583

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 9-10 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 583 (sequence 135)
Language
German
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Jung־־ Judentum 583 grad. Was grad ist, ist wahr. Was wahr ist, an das glauben wir• Moses Hände aber waren der ״Glaube״. Der Esra sollte die Gefahr erkennen, die sich ihm nähert. Typisch: das Theoretisieren beginnt mit einer Anleihe bei nichtjüdisehen Geistern, diesmal bei Nietzsche und Rudolf Otto. Ein andermal wohl bei dem (״jüdischen“) Hermann Cohen und Max Scheler. Hier droht dem Denken der Besten unserer Jugend ein Nach-Aussen- Gerichtetsein, ein Zufallscharakter, der sich noch schädlicher für den Geist der jüdisch weniger firmen Durchschitts-Esräer auswirken dürfte. Man höre: Ein dreizehnjähriger, im Jüdischen sehr wenig gebildeter Junge befragt einen Aelteren über Hiob und seine heftige Redeweise gegen Gott. Ob Gott gnädig oder hart verfahre, Hiob müsse in seiner Unterwürfigkeit verharren. Im Verlaufe des Gespräches wird behauptet, dass der schlichte Mann des Glaubens Gott gamicht so wohlgefällig sei und dieser Junge packt die Weisheit seines Führers aus: Maimonides lehre, dass es nur auf die Wenigen, auf die Weisen ankomme, und — in einem Atemzuge — Nietzsches Lehre vom Uebermenschen besage ja dasselbe. Wie «teilt man sich zu solch einer Beeinflussung des naiven Geistes? Zu solch einer Gleichsetzung? Man wagt es zu sagen und man wage es zu hören: Hier liegt die epigonenhaft gezogene Konsequenz des עס דרך ארץ nTn-״Prinzips“ vor. Wie soll unter solcher Erfassung des Jüdischen eine Geschlossenheit, ein Charakter erstehen? Wie werden solche Menschen des Zwitterhaften glauben, beten, wirken können? Wer dem Esra Freund ist, wird hier warnen: Stellt keine Probleme, lasst sie erstehen in dem zum Grübeln geschaffenen und nur so Jude werden Esräer. Schafft für solche Zentralen in Wort und in Schrift, die sich eine Beleuchtung der Probleme (eine Lösung wird nur selten möglich sein) angelegen sein lassen, um jenen Ringenden zu helfen. Sucht ihre Zahl aber nicht zu mehren, seid hier nur Handlanger, nicht Bauleute. Baut vielmehr überall an dem Fundament unseres Lebens: Jüdischer Geist ist erwählt d. h. anders als nichtjüdischer. Wie auch immer — aber anders. Und für jene Komplizierten ist dieses Bauen noch wichtiger als für die Schlichten, die ״weniger Denkenden“, die deswegen nimmer schlecht, nimmer minderwertig sind. Seid jung — seid, was ihr seid!

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