Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 570 (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293055--09355-2302640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
570 Die Schächtfrage usw. zwischen sensiblem und motorischem Nerv, die ohne Inanspruchnähme des Grosshirns eine direkte Ueberleitung des sensiblen Reizes auf die motorische Bahn ermöglicht. Eine derartige Ueberleitung nennt man Reflex! Empfindet z. B. das Auge plötzlich starkes Licht, dann bewirkt der Sinnesreiz- — auch ohne dass er zum Grosshirn und zum Bewusstsein gelangt — direkt durch Ueberleitung auf die motorische Bahn eine Verengung des Pupillenmuskels. Diese Reflexe haben grade darum, weil sie nicht zum Bewusstsein kommen, ihre grosse praktische Bedeutung für den Körper. Das Gehirn braucht nicht in jedem einzelnen Fall einen besonderen Befehl zur Bewegung auszugeben, durch den Reflex wird die Bewegung gewissermassen automatisch ausgeführt. So kommt es, dass ganze Arbeitssysteme im Körper, z. B. das Verdauungssystem, das Blutgefässystem, ganz ohne Direktive vom Gehirn prompt arbeiten können. Wie weit sich diese selbständige Reflexwirkung erstrecken kann, haben die Versuche des russischen Physiologen Pawlow bewiesen.- Zeigt man Hunden ihre Nahrung, so sondert der Magen unverzüglich auf dem Wege des Reflexes vom Augennerv zum Magennerv seinen Verdauungssaft ab. Lässt man nun vor der jedesmaligen Fütterung beim Bringen der Speise einen bestimmten Ton an das Ohr des Hundes klingen, so kann man beobachten, dass schon der Ton den Reflex zum Magen auslösen kann. Schon ohne Darreichung der Speise bewirkt also allein der Ton die Absonderung des Magensaftes. Mit Bewusstsein hat all dies nichts zu tun. So können wir uns leicht erklären, warum auch das bewusstlose Kavallerie-Pferd bei Militärmusik die Ohren aufstellt. Ein ebenso typisches Beispiel ist der früher viel umstrittene Hornhautreflex. Berührt man die Hornhaut, dann schliessfc sich reflektorisch das Augenlid. Der Hornhautreflex hat, wie es sich nach dem Gesagten schon von selbst ergibt, mit dem Grossbirn und dem Bewusstsein nicht das Geringste zu tun. Gewiss kann es Vorkommen, dass auch Reflexe nicht mehr auszulösen sind, beispielsweise, wenn bei stärkerer Ausblutung auch die nicht im Grosshim gelegenen