Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 556 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293055--09341-2302626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
556 Die Schächtfrage usw. es in gleicher Weise bei dem Niederlegen zum Behufe operativer Massnahmen gelegentlich beobachten kann. Aber diese Erscheinungen sind nicht etwa durch Furcht vor dem Geschlachtetwerden veranlasst, sondern sie stellen lediglich Reaktionen gegen den störenden Eingriff und gegen die unbequeme Situation dar. Der Mensch, welcher weiss, das3 das Tier in das Jenseits befördert werden soll, mag Qualen dabei empfinden, besonders wenn die vorbereitenden Maesoahmen sich ungebührlich lange hinziehen. Bei dem Tiere kann man hierbei von einer Todesangst auch nicht mit einem Scheine von Berechtigung reden1). Wer diese in dem Auge des Tieres liest und aus dem angeblichen Angstschweiss herausdeutet, der sieht und deutet zu viel.“ Der Physiologe B e t h e 2) kommt zu dem gleichen Ergebnis: ״Es ist nicht anzunehmen, dass der Ochse, der zur Schächtung geworfen wird, dies schlimmer empfindet, als wenn er zwecks Beschlagung der Hufe hochgewunden oder zu einer tierärztlichen Operation hingelegt wird“. Neben der rein psychischen Komponente sollen beim Niederlegen durch das Aufschlagen des Körpers, des Kopfes und der Hörner Verletzungen und Qualen dem Tier bereitet werden. Demgegenüber äussert sich D a m m a n n : ״Verletzungen mögen beim Niederwerfen ganz ausnahmsweise einmal Vorkommen, aber jedenfalls sind sie reine Raritäten. Ich habe mehr als hundertmal dem Schächten beigewohnt, ohne dass ich jemals das Eintreten von Brüchen oder inneren Läsionen dabei konstatieren konnte, und von Schlachthaustierärzten ist mir ein Gleiches berichtet worden.״ Wo die Münchener Denkschrift den Mut der prophetischen Verkündigung hernimmt, dass — was auch an Verbesserungen vorgeschlagen werden mag — die Vorbereitungen qualvoll sein müssen, ist aus der Denkschrift nicht ersichtlich. Tatsache ist es jedenfalls, dass die Niederlegeapparate es schon heute gestatten, unter Schonung und mit sicherem Erfolge in kurzer J) von uns gesperrt (ebenso einige folgende Zitate). 2) B e t h e L.-Y. Nr. 3 p. 8.