Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 551 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Schächtfrage usw. B51 Die Schächtfrage unter Berücksichtigung der neuen physiologischen Forschungen. Von Dr. med. Jacob Levy, Berlin. Die Oeffentlichkeit ist über Wesen und Stand der Schachtfrage nur wenig orientiert. Man weiss vielleicht noch hie und dort, dass um die Jahrhundertwende Hirsch Hildesheimer hunderte von fachmännischen Gutachten gesammelt hat,-die für das jüdische Schächten Stellung nehmen. Und im Vertrauen auf diese Haltung der Wissenschaft und in gleichem Vertrauen auf den verfassungsmässigen Schutz der religiösen Betätigung durch die Republik wiegte sich die jüdische Oeffentlichkeit in Sicherheit — bis durch die Vorgänge in München diese Hlusion zerstört wurde. Durch Beschluss des bayrischen Landtags soll das Schächten in hergebrachter Weise unmöglich gemacht werden. Dieser Erfolg der Schächtgegner beruht nun nicht etwa darauf, dass neue wissenschaftliche Ergebnisse die alten Argumente der Schächtgegner gestützt haben. — Im Gegenteil, die neue experimentelle Forschung hat überzeugende Beweise dafür gebracht, dass beim Schächten von einer ״Tierquälerei“ nicht die Rede sein könne1). Wenn trotzdem die Schächtfrage heute wieder in Deutschland akut ist, so ist dies nur ein Beweis dafür, dass in der Politik die strenge Wissenschaftlichkeit nicht immer *) Die Ergebnisse der neuesten Forschungen sind in einer Gutachten- Sammlung vom Büro für Schächtangelegenheiten (Berlin, Artilleriestr. 31) zusammengestellt. Es finden sich Beiträge folgender prominenter Autoren: Prof. B e t h e-Frankfurt, Prof. C r em e r-Berlin, Dr. Dusser de Barenne- Utrecht, Prof. K r o g h-Kopenhagen (Nobelpreisträger), Prof. Magnus- Utrecht, Prof. Mangold-Berlin, Prof. R u b n e r-Berlin. Ferner wurden mir in dankenswerter Weise einige noch nicht publizierte Gutachten zur Einsicht gestellt, die die Professoren A s h e r־Bern, R. daBois-Reymond- Berlin, Bongert-Berlin, Dittler-Marburg, Ebbecke-Bonn, Sherrington- Oxford, sowie Schlachthofdirektor Dr. Basel-Stettin zu Verfassern haben•