Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 519 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293055--09304-2302589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Randglossen 519 überhaupt. מ עבד ד׳Diener Gottes״ ist darum der höchste Ehrentitel des Meisters aller Meister. Zwei Eigenschaften sind aber in erster Linie kennzeichnend für den Knecht. Einmal seine Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit. Zum anderen, dass er sich diese Treue zu dem scheinbar Kleinsten und Nebensächlichsten zur Pflicht macht im Hinblick auf den Vertrag, den er mit seinem Herrn abgeschlossen hat und in dem Gedanken an den Lohn, den er erhält. Gewiss kommt es häufig genug vor, dass Herr und Diener so sehr zusammenwachsen, dass schliesslich der Diener an den Lohn nicht mehr denkt und etwa auch bei dem verarmten Herrn in gleicher Treue verbleibt. Das ändert aber nichts daran, dass der erste Beweggrund zur Treue ihm gegenüber eben in jenem Sold gegeben ist, zu dem sich der Herr verpflichtet. Wir sollen nun Gott gegenüber unbedingt Knechte sein in jenem ersten, jedoch unbedingt nicht Knechte sein in jenem zweiten Sinne. Nunmehr ist die Doppelfassung des Spruches verständlich. Kein Wort ist in dem Satz des Antigonos zu entbehren. Wer das Gute tut um des Lohnes willen, das Böse meidet wegen der Strafe, die seiner harrt, der liebt letzten Endes den Lohn und nicht Gott, fürchtet die Strafe und ist im tiefsten Sinne nicht einer, über dem מורא שמים allein gebietend waltet, vielleicht auch ein ירא שמיס, aber nicht das Ideal eines ירא שמים und gewiss nicht eines חסיד, so unantastbar er auch in seiner Lebensführung sein mag. XI. Der Spruch Schammais אמור מעט ועשר. הרבה kann gewiss mit Aboth de R. Nathan (ed. S. Schechter, S. 47 und 57) in dem Sinne des bekannten Satzes צדיקים אומרים מעט ועושים הרבה (Baba mezia 87 a) übersetzt werden: versprich wenig und tue viel. Hält man sich indessen an die Uebersetzung: ״sprich wenig und tue viel״, so möchte ich glauben, dass Schammai nicht nur den Rat geben will, überflüssiges Gerede zu vermeiden, wobei er an die bekannten Mahnungen der Heiligen Schrift anknüpft, sondern auch zugleich das Mittel, wie man seinen Rat zu befolgen befähigt Di® Sucht viel zu sprechen,