Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 479 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Schöpfung und Natur 479 aus Verstandesgründen dem Dualismus huldigenden Welt das Wort entgegenschleuderte: יתר אור לבורא חשך עושה שלום ובורא רע. Er bildet das Licht und E r schafft die Finsternis, Er macht den Frieden, und E r schafft das Böse. Jenes Problem der Theodicee hat die Alten bis ins Innerste getroffen, und das Material war, wenn wir so sagen dürfen, die Erfahrungswissenschaft. Seines Gottes, Seiner Einheit und Einzigkeit aber so recht gegenwärtig wurde der Prophet, als er den Gegensatz in sich durchgekämpft, als er das Böse in seiner Berechtigung anerkannt und aus dieser Erkenntnis heraus Gott auch als den Schöpfer des Bösen proklamierte. Aehnlich denken wir uns — es ist nur eine Analogie — die Steigerung der Religiosität bei dem, der beide Wahrheitswege aufgesucht. Wer auch den anderen gegangen und aus der Lethargie des Denkens und Fühlens aufgerüttelt ist, wer nun nicht zitternd sich vorbeischleichen muss an dem Vorhang, hinter dem sich doch eine so unendlich reiche Welt von Erscheinungen birgt, wer aus eigenem Erleben weiss, was es bedeutet sich zu dem Schöpfer zu bekennen, dem ist der Lobpreis Gottes nicht mehr ein Lippengebet, dem dringt ganz anders aus dem Herzen allmorgendlich der Jubelruf: ״Wie gross sind Deine Werke Ewiger, sie alle hast Du in Weisheit geschaffen, erfüllt ist die Erde von Deinem Besitze“. * * * Diese ganze Einstellung ist — wie schon mehrmals hervorgehoben — nicht die allein berechtigte, kein Allheilmittel. Der Jeschurun ist aber schon vielfach gebeten worden, zu diesen Fragen aufklärend Stellung zu nehmen und Gedankengängen, wie sie ähnlich teilweise in ernsten Jünglingen, die sich nicht etwa von Berufswegen mit theologischen Fragen beschäftigen, entstanden sind, Raum zu geben. Das ist nicht eine Jugend, die eben der Kindheit entwachsen sich besinnungslos der Freiheit des Denkens in die Arme wirft, die jedes Wort, das sie von Vertretern der Wissen-