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Jeschurun · 1927-09-01 · Heft 9-10 (September 1927) · p. Seite 478

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 9-10 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 478 (sequence 30)
Language
German
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478 Schöpfung und Natur andere, jenes grosse, jenes allbeherrschende Erlebnis von dem -ganzen Sinn seines Seins ist noch mächtiger. Und wenn er geprüft und wenn er sich in wissenschaftlicher Vertiefung zu sagen vermag: Hier stehen wir vor einem non liquet, wenn -auch ein hohes Maass von Wahrscheinlichkeit für das uns Fremde spricht, die Wage schlägt nach dem alten Prinzip der Uebermacht des Fuhlens und Wollens über das Denken aus zu Gunsten der Wahrung des überlieferten Gutes. Und vielleicht noch mehr! Der Anfang aller Erkenntnis, sagt Aristoteles, ist das sich Wundern. Der Anfang aller tieferen Religiosität, setzen wir hinzu, ist es nicht minder. Zu diesem .sich Wundern kommen die Wenigsten, von all denen, die schlecht und recht fromm geboren und erzogen werden. Wir werden heutzutage schwerlich Rabbenu Bechai Pakuda ״dem Frommen״ folgen, der in der Einleitung zu seinen ״Herzenspflichten" die Behauptung aufstellt, die Auseinandersetzung zwischen den Wahrbeiten der Religion und denen der Philosophie, der damaligen Wissenschaft, sei eine Forderung des Glaubens. Aber dass hier allein aus These und Antithese das rechte Neue, Fruchtbare und religiös wirklich Wertvolle erwächst, ist nicht zu bezweifeln. Wem niemals die Welt mit ihren Rätseln und Problemen entgegengetreten, dem hat sich auch nicht Gott in seiner ganzen Grösse offenbart. Das Ruhen auf den Hefen hat schon -der Prophet gegeisselt, und alle starken Förderer des religiösen Lebens haben sich im Kampfe mit den widerstrebenden An- Behauungen stählen müssen. Die Oberflächlichkeit des Denkens, die Kälte des Fühlens ist ein Kennzeichen all derer, die nie durch den Schmelztiegel aufwühlender Gedankenreihen gegangen. Der Erfolg aber einer Ueberwindung des Widerspruchs zwischen >dem Denken des Natürlichen und dem des Uebernatürlichen zu einer höheren Einheit für die seelische Erhebung des Menschen ist ein grosser. Und nur, weil er ein so grosser ist, wird man ,geneigt sein, das schier unbegreifliche der Belastung des Menschen mit jener tragischen Anlage einzureihen in das מוג מאד der Weltenschöpfung. Welche Kraft wuchs wohl einem Jesajah zu, als er einer

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