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Jeschurun · 1927-09-01 · Heft 9-10 (September 1927) · p. Seite 465

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 9-10 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 465 (sequence 17)
Language
German
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Schöpfung und Natur 465 Durch die Jahrtausende dringt unseres Lehrers Moscheh Mahnung: Du sollst nicht vergessen! Du sollst dich erinnern! anders ausgedrückt: Bleibe geschichtlich! Uebermächtig ist die Welt als Natur. In ihr findet das seiende Ich immerfortige Bestätigung. Das Scheinsollen der als Zwecke reflektierten Naturnotwendigkeiten bringt nur zu leicht die Mahnung der Seele zum Verstummen. Die Riesenkralt eines Abraham gehört dazu, aus eigenem den Weg von der Welt als Natur zur Welt als Schöpfung zu finden. Darum hat Gott für Abrahams Söhne die Geschichte zur Hilfe gerufen. In jahrhundertelanger geschichtlicher Erfahrung hat sie Gott im Lande Mizrajim, der ״Heimat der Sklaven“, das wahre Wesen der Welt als Natur und der in ihr gründenden Menschengemeinschaft erleben lassen. Hat Schöpfungswunder in die Welt als Natur brechen lassen. Der Schöpfungsgott entreisst seine Geschöpfe den Krallen des Staats der Natur und stellt sie in die Welt der Schöpfung. Sie essen das Brot der Schöpfung und trinken das Wasser der Schöpfung, und jedem Rückfall in die Welt als Natur folgt ein Erziehungsschöpf ungswunder. War es so aussichtslos, dass vierzigjährige Geschichtserfahrung sich also den ״Söhnen“ einprägte, dass sie aus ihren Herzen nicht wich alle Tage ihres Lebens und dass sie ihre Kinder sie wissen liessen und ihre Kindeskinder? Schwer war es freilich. Die Welt als Natur ist stärker denn die Welt als Schöpfung. Die Welt der Natur i s t, und die Welt als Schöpfung soll sein. Die Welt als Natur ist ״sichtbar“. Aber die Welt als Schöpfung ist unsichtbar. Was sein soll, kann man nicht sehen. Drum hat Gott für die Welt als Schöpfung die Geschichte zu Hilfe gerufen. Zwischen Sein und Sollen steht das Werden. Das Seiende ist geworden. Das Sollende soll werden. Die Welt als Schöpfung und die Welt als Natur?erhalten sich zueinander, wie These und Antithese. Aber 2

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