Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 457 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ס 457 an Schöpfung und Natur Von diesen ausgeführten Gesichtspunkten prüfen wir ein Buch, das uns vorliegt, das schon deshalb einer eingehenden Erörterung bedarf, weil es dies Grundproblem des Glaubens behandelt1). Es spricht von der Welt als Schöpfung und Natur und will damit ausdrücken, dass es sich hier überhaupt nicht um einen Gegensatz, um ein Problem handelt. Erübrigt sich dann wirklich jeder der von uns geschilderten Wege, so wäre das eine so glückliche Lösung, dass kein Wort des Ruhmes an die Grösse einer solchen Leistung heranreichte. Ist dem Vf. der überzeugende Beweis gelungen? Hören wir ihn! * * Gott hat die Welt geschaffen Aber am Sabbath trat die ״Ruhe“ des Schöpfers ein. Von diesem Augenblick tritt das Naturgesetz in Kraft. Es bedeutet die Selbstbeschränkung des Schöpfers und zugleich Seine Freiheit. Ja in dieser Ruhe er• weist sich Gott eigentlich erst als der wahrhaftige Schöpfer. Wie könnte sich Gott sonst von der Schöpfung loslösen und sie sich selbst als Natur gegenüberstellen also gewissermassen verselbständigen. Schöpfung und Naturgesetz sind Gegensätze, sie verhalten sich zueinander wie die Freiheit Gottes zu Seiner Selbstbeschränkung, aber sie sind keine Widersprüche. Diese sind zwischen ihnen überhaupt nicht möglich, denn sie stehen in der Zeitform des Nacheinander. Das Gesetz der sechs Tage ist nicht das Gesetz des siebenten Tages. Was für die Selbstbeschränkung Gottes gilt, kann nicht auf die Freiheit Gottes bezogen werden. Wer mit den der Natur entnommenen Gesetzen an die Schöpfung heranzutreten sich vermisst, wem Naturgesetze Gesetze an sich sind und also auch Schöpfungsgesetze, der ist es, der sich selbst widerspricht. Lehrt etwa die Thora, dass die Erde, die sich uns darbietet, das Resultat einer 5686 jährigen — Entwickelung sei? Kann etwa der Forscher behaupten, dass die Erde, wie sie sich uns heute darbietet, das Resultat von — Schöpfungshandlungen sei, die sich auf Millionen von Jahren erstrecken? 1j Isaak Breuer, Die Welt als Schöpfung und Natur. J. Kauffmann Verlag Frankfurt a. M. 1926 128 S.