Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Schhpfung־ und Natur die folgenden Ausführungen ein bequemes Schema zur Orientierung und zur Stellungnahme zu gewinnen, haben wir zwei Wege angenommen, den der Harmonisierungsbestrebungen in allgemeinen Fragen, die zumeist metaphysisches, erkenntnistheoretisches, und naturphilosophisches berühren werden, und den der Ausgleichsversuche in besonderen Einzelfragen, in denen es sich fast immer um historisch-philologisches, religionsgeschichtliches, empirisch-naturwissenschaftliches handeln wird. Es lässt sich verstehen, wenn mancher sich mit dem zweiten Wege nicht befreunden kann. Die Auseinandersetzung nimmt hier oft zu sehr den Charakter der Defensive an, zu oft wird auch hier und vielleicht hier noch mehr als auf dem ersten Wege die Ursprünglichkeit des Glaubens an die überlieferten Wahrheiten überwuchert und darum geschwächt von rationalistischen Gedankengängen. Darum werden wir es nie wagen dürfen, von der Höhe kritischer Erkenntnis oder im stolzen Selbstbewusstsein auf wissenschaftliche Forschungsarbeit auf die herabzusehen, die den dritten Weg erwählt, die mit stärkster Energie sich auf die Quelle der Religion konzentrieren, und jeden Versuch, sich diese durch verwirrende Probleme trüben zu lassen, in ihrem Inneren unterdrücken. Es ist klar, dass wir hier wahre Achtung nur vor denen hegen können, die hier nicht Bequemlichkeitsgründen folgen, die nicht wissentlich ihre Augen vor Problemen, die sie bis in ihre Einzelheiten kennen, verschliessen, die nicht für sich bei ihrer Wissenschaftliehen Arbeit nur solche Fächer anerkennen, in denen kein Konflikt zu befürchten, sonst aber um so tapferer die ״Wissenschaftw schmälen. Es muss ein so starkes, so unverfälschtes, so ursprüngliches Judentum in ihnen leben, wie es Vergleichs weise den Propheten, unseren grossen Rabbinen, unseren ekstatischen Mystikern eigen gewesen. Für diese wird dann in der gleichen Hingabe an das Göttliche alles Fragen unter die Schwelle des Bewusstseins rücken. Ein jeder denkende Jude wird einen dieser Wege wählen. Fraglos, dass bei der Eigenart eines jeden Individuums sich Kombinationen in allen Spielarten ergeben. —