Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-09-01 · Heft 9-10 (September 1927) · p. Seite 455

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 9-10 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 455 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293055--09240-2302525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Schöpfung und Natur 455 schlingen geworden, je mehr sie sich durch die Wunder ihrer praktischen Anwendung der Gemüter bemächtigt. Was wäre das Zeitalter der Wirtschaft ohne die theoretische Grundlage der Geologie, wie viel fehlte an den Fortschritten der Geistes- Wissenschaften, sähen wir von den entwickelungs- und religionsgeschichtlichen Untersuchungen ab. Aufrichtiger Dank gebührt den zahllosen christlichen Gelehrten, die oft ihre ganze Lebensarbeit daran gewandt, um die Schwierigkeiten zu heben. Und sie haben es verhältnismässig noch leicht. Das Gebäude ihres positiven Bekenntnisses fällt nicht mit der Ablehnung der Berichte der Bibel über die Schöpfung und die Urgeschichte der Menschheit. Viel mehr noch sind wir den jüdischen Forschern verpflichtet, die ihr ״Und dennoch!“ allen -Einwänden zum Trotz unserem Verstände näher zu bringen suchten. Es ist recht billig, von schwächlicher Apologetik zu sprechen. Das Wort ist denen zu verzeihen, die kein Organ für die Wucht der Probleme haben, nicht aber denen, die Anspruch auf wissenschaftliches Denken machen und zugleich unsere אמונה in ihrer völligen Reine gewahrt wissen wollen. Die Apologetik, denn als solche freilich wird sich immer die Auseinandersetzung im Einzelnen erweisen, hat auch die oft nicht genug gewürdigte Bedeutung, das Feld der wirklich restlos bleibenden Schwierigkeiten sehr stark einzuengen. Bei dem talmudischen ״ קשיאes bleibt schwer“ vermag man sich viel eher zu beruhigen, wenn es sich nicht um ein Meer von Fragen handelt. Wir bezeichnen diesen Weg der Versuche, einen Ausgleich zwischen den Wahrheiten der Bibel und denen der Natur- Wissenschaft in Einzel fragen, in den Spezial problemen zu finden, als den zweiten Weg. Wir wissen wohl, dass methodologisch diese Scheidung zwischen dem ersten u n d z w e i t e n W e g n i c h t berechtigt ist. Es handelt sich in beiden bisher gekennzeichneten Wegen im Wesentlichen* um das Gleiche: mit den Methoden wissenschaftlicher Forschung den Nachweis zu erbringen, dass keine Denknotwendigkeit vorliegt, die überlieferten Wahrheiten der Religion aufzugeben. Nur um für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.