Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 455 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Schöpfung und Natur 455 schlingen geworden, je mehr sie sich durch die Wunder ihrer praktischen Anwendung der Gemüter bemächtigt. Was wäre das Zeitalter der Wirtschaft ohne die theoretische Grundlage der Geologie, wie viel fehlte an den Fortschritten der Geistes- Wissenschaften, sähen wir von den entwickelungs- und religionsgeschichtlichen Untersuchungen ab. Aufrichtiger Dank gebührt den zahllosen christlichen Gelehrten, die oft ihre ganze Lebensarbeit daran gewandt, um die Schwierigkeiten zu heben. Und sie haben es verhältnismässig noch leicht. Das Gebäude ihres positiven Bekenntnisses fällt nicht mit der Ablehnung der Berichte der Bibel über die Schöpfung und die Urgeschichte der Menschheit. Viel mehr noch sind wir den jüdischen Forschern verpflichtet, die ihr ״Und dennoch!“ allen -Einwänden zum Trotz unserem Verstände näher zu bringen suchten. Es ist recht billig, von schwächlicher Apologetik zu sprechen. Das Wort ist denen zu verzeihen, die kein Organ für die Wucht der Probleme haben, nicht aber denen, die Anspruch auf wissenschaftliches Denken machen und zugleich unsere אמונה in ihrer völligen Reine gewahrt wissen wollen. Die Apologetik, denn als solche freilich wird sich immer die Auseinandersetzung im Einzelnen erweisen, hat auch die oft nicht genug gewürdigte Bedeutung, das Feld der wirklich restlos bleibenden Schwierigkeiten sehr stark einzuengen. Bei dem talmudischen ״ קשיאes bleibt schwer“ vermag man sich viel eher zu beruhigen, wenn es sich nicht um ein Meer von Fragen handelt. Wir bezeichnen diesen Weg der Versuche, einen Ausgleich zwischen den Wahrheiten der Bibel und denen der Natur- Wissenschaft in Einzel fragen, in den Spezial problemen zu finden, als den zweiten Weg. Wir wissen wohl, dass methodologisch diese Scheidung zwischen dem ersten u n d z w e i t e n W e g n i c h t berechtigt ist. Es handelt sich in beiden bisher gekennzeichneten Wegen im Wesentlichen* um das Gleiche: mit den Methoden wissenschaftlicher Forschung den Nachweis zu erbringen, dass keine Denknotwendigkeit vorliegt, die überlieferten Wahrheiten der Religion aufzugeben. Nur um für