Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 453 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Schöpfung־ und Natur 453 Hülle, die noch durch aristotelische Autorität ein besonders zähes Gepräge erhalten, nicht aber im Widerspruch zu ihren Grundgedanken und ihren richtunggebenden Zielsetzungen. Naturwissenschaft und Religion stehen in Wechselwirkung. Mit der Entdeckung des Neulandes auf wissenschaftlichem Gebiet gehen Hand in Hand neue mystisch-religiöse Systeme, und die Wegbereiter einer neuen Auffassung vom Kosmos und seinen Gesetzen: ein Newton, Kepler, Galilei sie sind — wie sie selbst bekennen — nicht zum geringen Teile von der Notwendigkeit her, dem Schöpfer des All eine in sich geschlossenere, geordnetere, weniger widerspruchsvolle Welt zuschreiben zu müssen, zu ihren Ergebnissen gelangt. Noch heute lebt der Monismus vom Monotheismus, er will den Vater nicht kennen, dessen echter Sohn er ist, dem er alles dankt, was ihm an Reichtum in seiner Schilderung der herrlichen Einheit des Universums zuströmt, wie andrerseits von den Tagen der Propheten über die religiösen Genies des Mittelalters bis auf die grossen Herzenskünder unserer Zeit dem lebendigen Gottesglauben aus der Versenkung in die Natur die stärksten Kräfte zuwuchsen. Und ist ja gerade die Erweiterung unserer Kenntnis vom unendlich Grossen und unendlich Kleinen nur dazu angetan, die Rätsel des Seins, die Wunder der Natur, die Unbegreiflichkeiten im All immer mehr uns vor Augen zu führen. Darum sind begeisterte Fürsprecher der grossen Wahrheiten der Religion gerade unter den Naturforschern nicht selten. Nicht nur die Grossen, die am Anfang der grossen Epoche des Erwachens der modernen Naturwissenschaft stehen, sie waren vielleicht noch im Banne ihrer religiösen Erziehung. Auch unter den Neueren wäre eine grosse Schar zu nennen. Das alles ist nur ein winziger Ausschnitt aus der Fülle der Gesichtspunkte — die Literatur hier ist unübersehbar — nach denen versucht wird, die überragende Stellung zu erweisen, die die Idee von einem Schöpfer eingenommen hat und dem Wesen der Menschen entsprechend einnehmen muss, nach denen Ergebnisse und Wert der Naturwissenschaft auf ihr rechtes Maass zurückgeführt werden, nach denen gezeigt wird, dass