Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Schöpfung und Natur 451 Glaubens an einen waltenden Gott gedankenblasse, blutleere Theoreme über Identität, das Ineinanderfliessen von Gott und Natur zur Alleinherrschaft gelangen. Hier sind sich bedeutende Philosophen, Naturforscher, Theologen einig. Drei der Wege gibt es, sich da den religiösen Besitzstand zu wahren* Der erste ist: Die Betonung der Unmöglichkeit einer rein naturwissenschaftlichen Orientierung und die unbedingte Forderung der Aufhebung des scheinbaren Widerspruchs in eine höhere Einheit, dies beides durch Darlegung mehr allgemeiner, grundlegender Prinzipien. Erkenntnistheoretisch wird gezeigt, dass die materialistische und mechanistische Auffassung von der Welt und ihrem Entstehen die philosophisch unmöglichste, ja geradezu widersinnig ist. Wenn wir von der Aussenwelt nichts erfahren als was ״in unserer Empfindung“ ist, wenn sie nur durch das Medium unserer geistigen Bearbeitung in uns eintritt, so verschwindet die Materie zu einem Nichts gegenüber dem überwältigenden Faktor, den hier der Geist vor stellt. Es gibt für den auch nur elementar philosophisch Geschulten nichts, was die Widersinnigkeit, ja geradezu Torheit der noch jetzt vielfach beliebten rein mechanistisehen Naturerklärung mehr ins Licht stellen kann als die Versuche, die gemacht werden, die höchsten auch geistigen Lebensfunktionen des Menschen in gerader Entwickelung von den Bewegungen der Ein-Zeller abzuleiten, und diese wieder auf Tat- Sachen reiner Mechanik. Oder man weist darauf hin, wie die Materie sich immer mehr in Kräfte aufgelöst, wie man erkannt, dass ״das Atom ein Lückenbüsser des Verstandes“ sei, auf den Siegeszug, den die Energetik genommen, wie immer mehr sich die Vorstellung Bahn bricht, dass der Stoff viel mehr die Begleiterscheinung, Kraft und Geist aber das Schöpferische und Beherrschende sind und darum der absolute Geist ein Postulat, ohne das die Ausstrahlungen des Geistigen durch das gesamte Universum unerklärlich bleiben. Man zeigt, dass das ganze Gerede von Naturgesetzen abwegig ist. Unser Geist legt die Regel unseres eigenen Wesens auch den Dingen auf. Und so