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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 445

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 445 (sequence 117)
Language
German
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Bücherbesprechungen 455 Anwalt erhalten, das *Parteiwesen״ hingegen in allen Lagern einen scharfen Meisterer. Ein Kabinettsstück von eigenartigem Reiz bietet das Vorwort (*Zar Einführung״.) In der Arbeit über ״Traumwelt und Wirklichkeit“ hätten wir eine noch mehr durchgeführtere Beziehung zur Lehre des M&imonides von der Prophetie begrüsst, ebenso eine ausführlichere Auseinandersetzung mit modernen Traum-Theorien (manche wie die Freuds werden nur gestreift). Zu den ״Eliaüberlieferungen״ im Anhang hätten noch manche in den Rahmen hineingehörende hinzukommen dürfen. Besonders anzuerkennen sind die mutigen Bekenntnisse, z. B. in ״Energienlehre und Judentum“, und Weg- Weisungen betreffs der politischen Fragen, wie z. B. in ״Gestalten und Probleme . . .״ und die neue Gesichtspunkte eröffnende Arbeit ״Minorität und Majorität. . Das Buch gehört, nicht zuletzt seiner edlen und reichen Sprache wegen, die man bei Arbeiten wissenschaftlicher Art oft vermisst, entschieden zu den beachtenswerten Erscheinungen der neueren jüdischen Literatur. P. H. Don Pedro Calderon eine Auswahl deutscher Uebersetzungen. Phaidon- Verlag Stuttgart, Wien, New-York 2 Bände Preis 20 Mk. Ueber Calderons Dramen zu sprechen, von denen eine Reihe an der Spitze der Weltliteratur schreiten, erübrigt sich. Sicher sind nicht alle von gleichem Wert, bei der beispiellosen Fruchtbarkeit dieses Autors eine Unmöglichkeit. Man darf aber wohl sagen, dass die Auswahl der neun gebotenen eine glückliche ist. Auch die Uebersetzungen durch Autoren, die nicht so bekannt sind wie Schlegel und Eichendorf schliessen sich in Sprache und künstlerischer Behandlung des Rhythmus den berühmten der Romantiker würdig an. Die Leser dieser Blätter interessiert vor allem die Stellung Calderons zu den religiösen Triebkräften im Menschen. Oder besser: Ergibt sich aus der Lektüre der hier gebotenen Dramen ein Gewinn für das, was uns das Höchste ist, die Erhebung der Seele aus den Niederungen der selbstsüchtigen Leidenschäften, eine Vervollkommnung des Ich, ein Hinansteigen zum Göttlichen? Ein Masstab, an dem der religiöse Mensch und vor allem der religiöse Jude wird festhalten müssen, und ob er noch sehr einer Bewegung gegenüber, die l’art pour l’art fordert, in den Verdacht der Muckerei gerät. Und da steht man immer voll Bewunderung vor der Reinheit der Alten, die ihre Wirkungen, die über die Jahrhunderte hindurch ihre Kraft bewahren, zu erzielen wussten ohne all den Schmutz, der conditio sine qua non mancher Prominenten in unserer Dichtergeneration zu sein scheint. Wer wird Calderon in einem Atem mit Shakespeare nennen? Aber, wenn es auch noch so banausisch klingt, an der ״Roheit״, die grossen Geistern des 18. Jahrhunderts vor Leasings Hamburgischer Dramaturgie Shakespeares Dichtungen ungeniessbar machte, ist doch ein Körnchen Wahrheit. Und dem unverbildeten Geschmack, der sich nicht von den Literarhistorikern beirren lässt, bleiben jene Dramen immer die gewaltigsten, in denen die Zote nicht einen so beherrschenden Raum ein-

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