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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 444

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 444 (sequence 116)
Language
German
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444 Bücherbesprechungen auch nur vermutungsweise — mit einem starken Zustrom polnischer Juden beantwortet, die wegen der grossen Verfolgungen in der Mitte des 17. Jahrhunderts nach Deutschland flüchteten. Quellenmässig ist das jedoch nur für Ostdeutschland nacbgewieseD, Halberstadt hier irgendwie einzubezieheD, erscheint sehr gewagt. Wächst doch auch das ganz westlich gelegene Frankfurt um diese Zeit stark an und liegt doch zwischen jenen Verfolgungen und den ersten auf die ״Betteljuden״ bezüglichen Edikten für Halberstadt (S. 79) eine Spanne von mehr als 50 Jahren. Die starke wirtschaftliche Beschränkung und das Privilegienwesen, das die Nachfolger des Grossen Kurfürsten sehr wenig hochherzig ausübten, bietet vorläufig genug Erklärung, das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung als eine Folge besserer Lebensbedingungen der Vergangenheit und das Bettlerwesen als eine Folge der nun veränderten wirtschaftlichen Zustände anzusehen und nur zu sehr geringem Teile eine Zuwanderung aus dem Osten anzunehmen. Auch Köhler bringt keine Dokumente, in denen ״polnische“ Juden genannt ,werden; es gibt nur" den Unterschied zwischen ״vergleiteten“ und ״unvergleiteten“ Juden. Wenn er (S. 80) unter ״Schnurjuden״ Betteljuden vermutet, so mag er recht haben. Hat doch ״Schnurren“ (= Schnorren) in der Pfeiferei der Bettelmusikanten, einem alten, traurigen Gewerbe seinen Ursprung. _ J. H. Jüdische Welt- und Lebensperspektiven. Abhandlungen über alte und neue Jadentumsfragen. Von Dr. Adolf Altmann, Oberrabbiner in Trier. — Druck und Verlag von C. Angermayer, A. Alkalay & Sohn Nachfolger in Pressburg. — 240 Seiten. Es gehört zur Kunst des jüdischen Führers, gerade bei neuauftauchenden Problemen, die durch geistige Berührung mit der Umwelt erstehen, die konstante Gültigkeit des jüdischen Weltsystems durch immer tieferes Eindringen in das Wesen des Judentums zu erfassen und in die Blickrichtung seiner Geführten zu stellen. Der Verfasser des vorliegenden Werkes behandelt in dieser Weise jüdische Probleme, und zwar solche, die auch im Mittelpunkt der jüdischen Geistigkeit von Heute stehen, rein philosophische, kulturphilosophische und jüdisch-politische Fragen. Hervorzuheben ist die wissenschaftliche Gründlichkeit und mutige Konsequenz des Denkens, die sich mit einem klaren und umfassenden jüdischen Blick — wie beispielsweise in *Elia* — verbindet. Eine reine, unverfälschliche jüdische Denkweise, wie in *Gut und Böse*, gibt dem wissenschaftlichen Streben und Wägen feste Richtung. Durch das ganze Werk zieht sich dadurch eine Linie geistiger Einheit. Mit so manchem Gedanken, mit mancher *Perspektive“ wird sich der Leser, ja wird sich der Leser, ja wird sich diese und jene jüdische Bewegung ernstlich auseinandersetzn müssen. Das überlieferte Judentum hat hier einen starkgeistigen

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