Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 438 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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438 Wohin gehst Du? Harden sind oft ein Unglück — die Agudda gehe in den ahgelegten Kleidern des Zionismus einher. Was meinst Du, was mir das für Feindschaft eingebracht hat und wie der Mann mit dem — aber ich will ihn doch nicht andeuten, sonst macht ^r mir wieder eine Schar von Anhängern abspenstig, lind das Gegenstück: Nach dem Tode Rabb. Breuers זצ״ל erschien bei mir ein Aufsatz von W. S. Jacobson ״Wahrheit und Frieden“ ohne jedwede Beziehung auf die Person des Verstorbenen. Nur in der Anmerkung hiess es: am Todestage des Frankfurter Raw Rabbi Salomon Breuer זצ״ל niedergeschrieben. Ich bin garnicht, wie auch meine Freunde behaupten, so apolitisch, aber ich hatte doch bei der Korrektur die Worte ״Frankfurter Raw* übersehen und nicht daran gedacht, dass es in den Augen vieler Frankfurter Gemeindeorthodoxer eine Todsünde ist, den Rabbiner der ״Israelitischen Religionsgesellschaft“ so zu titulieren. Von ׳seriöser Seite wurde mir das mitgeteilt und das unliebsame Aufsehen geschildert, das ich erregt, als ich diese Charakteri- Gierung durchgehen liess. Und da willst Du, lieber Hakohen, dass ich über die Frankfurter Rabbinerwahl schreibe? Ich könnte es freilich schon deshalb nicht, weil ich aus Gründen sich in Mussararbeit be- .mühender Sauberkeit kein einziges der ca. 30 Flugblätter gelesen. Meinst Du, dass die Beteiligten nicht auch das Empfinden dafür haben, welch ein Cbillul-Haschem es bedeutet, dass eine der stolzesten und trotz mancherlei Schäden vollkommensten Gemeinden der ganzen jüdischen Welt, den Gegnern die3 Schauspiel bietet? Aber sie sind beide beherrscht von dem Gedanken, dass der Kampf ausgefochten werden müsse im Interesse der Zukunft einer für das gesamte gesetzestreue Judentum so wichtigen Institution, die bei der Wahl des einen oder des anderen Kandidaten schwer gefährdet wäre. Sie würden mich schön auslachen, wenn ich ihnen sagte, dass, wie in Wilna und anderen berühmten Gemeinden es 80 oft geschehen, die Stelle auf lange, lange Zeit unbesetzt bleiben müsste, bis eine andere Generation herangewachsen, die nichts mehr weiss von der Selbstzerfleischung, deren Zeugen wir sind. Für wen soll ich den Artikel schreiben?