Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 434 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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434 Wohin gebet Du? achtung vor Wissenschaft, Forschung, Thora und Talmud und ihren Vertretern — diese wissenschaftlichen Akribieen, die in eine Monatsschrift für Wissenschaft und Literatur gehören, im ״Jeschurun“? Man möchte Dich, lieber ״Jeschurun״, doch so gerne dem gebildeten Juden, der nicht Rabbiner oder nicht rabbinisch gebildet ist, in die Hand geben und zum Abonnement empfehlen. Aber man kann es nicht, weil für diesen Mann, der mehr allgemein jüdisch interessiert ist und vor allen Dingen vom pulsierenden Leben etwas wissen will, nichts oder verschwindend wenig in Dir enthalten ist. Du fragst vielleicht, was ich meine? Da antworte ich Dir: hast Du vielleicht etwas über den ״Stern der Erlösung״ von Rosenzweig gebracht, ausser vielleicht einer kurzen gelegentlichen Erwähnung? Und so sind noch andere Werke philosophischen, geschichtlichen, literarischen Inhalts nicht behandelt worden, wenn auch manchmal einige von ihnen in den ״Bücherbesprechungen“ besprochen worden sind. (?! d. Red.) Siehst Du, das katholische ״Hochland״ hat sich bald nach Erscheinen des ״Sterns“ mit dieser Philosophie nicht allein auf Seiten, sondern in ganzen Bogen ״auseinandergesetzt“. Oder zum ״eigentlichen Leben״ mich wendend, hast Du oder wirst Du — es ist ja das nächste Heft noch nicht (18. VIII. 27) erschienen — Dich über die Vorgänge anlässlich der (nicht stattgehabten) Wahl eines Rabbiners in der Mainstadt aussprechen und Stellung nehmen, nicht dazu, welchen Herrn sie wählen sollen, das geht Dich freilich nichts an, aber auf welche Art man aussuchen und wählen soll, und wie man verfahren 8011, dass solch furchtbar deprimierende Ausschreitungen unterbleiben. Wie man die Rabbiner und ihre Ehre vor solch traurigen ״Erscheinungen״ behütet und beschützt. Da sollte doch die ״Stimme der Öffentlichen Meinung“ laut werden. In den ״Zeitungen״ kommt sie nicht zum Ausdruck, die sind ja alle selber Partei, die eine für rechts, die ändere für halbrechts, die dritte für halblinks und die vierte für links und die folgende für ultralinks usw. ad inffnitum, und fürchten dazu noch für ihre Abonnements-Zahl. Ich habe auch bei Dir noch kein Wort gelesen über die ״Achdut-Bewegung“, ihre Notwendigkeit oder Ueberflüssigkeit und anderes sie betreffendes. Ich möchte mit dem Propheten ausrufen zwar nicht: ״gibt es keinen Balsam in Gilead״ aber doch: ״gibt es keine Öffentliche Meinung in der deutschen Judenheit?״, auch wenn diese nun gerade kein allheiiender Balsam wäre. Das wäre Deine Aufgäbe, lieber Jeschurun. Du bist vornehm, stehst auf hoher