Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 435 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
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Wohin gehst Du? 43 & Warte, bist dem Gezanke des Alltags entrückt. Vor Dir hätte jedermann, auch der Zurechtgewiesene, Respekt, und man weiss, dass Du unparteiisch bist und alles nur gut meinst. Ich weiss, was Du mir entgegenhalten willst: Nun, wenn Du diese Schmerzen so lebhaft fühlst und das Bedürfnis nach allgemeinen Ueberblicken und Kritiken hast, so schreibe Du selber Dir und uns Deine Beschwerden von der Leber, wir werden sie — wenn einigermassen möglich — gerne aufnehmen. Darauf antworte ich Dir: Ich täte es gerne, aber — wenn ich auch das Zeug in mir fühlte — könnte ich es doch nicht, da ich nicht in einer jüdischen Zentrale, in keinem jüdischen Milieu lebe, wo man alles hört und sieht, an allem teilnehmen und — vor allem — mit dem Gros fühlen und denken kann. Aber es gibt in den jüdischen Zentren genug Herren und vielleicht auch Damen, welche in der von mir angedeuteten Richtung Dich, 1. ״Jeschurun״ bedienen und unterstützen könnten. Dich, 1. ״Jeschurun“, und diese Kräfte anzuregen, 8011 der Zweck meiner Zeilen sein. Einmal sollen sie von sich aus Dir schreiben, und zum zweiten sollst Du, da Du sie ja kennst, und weisst, was nottut, anregen, für Dich zu schreiben, jeder nach seiner Gabe und Erfahrung. Dies wird für Dich, 1. ״Jeschurun“, gut sein und — worauf es hauptsächlich ankommt — für Judenheit und Judentum in Deutschland. Dein Hakohen. Wir gaben diesem an uns gerichteten Briefe den Titel ״Wohin gehst Du?“ In der Tat stellt er trotz der launigen Form die ernste Frage an uns: ״Wohin will der Jeschurun?“ Dem Briefe gibt der Umstand ein besonderes Gewicht, dass Vf. ein Akademiker und jüdisch gebildet. Darum auf die ernste Frage eine ernste Antwort, wenn auch in dem gemütlichen Ton, den der Brief schreib er anschlägt. * Lieber Hakohen aus S ü d d e u 18 c h 1 a n d! Vorausgeschickt: Du hast zu einem Teile recht. Doch will ich Dir zuerst zeigen, dass Vorwurf und Mahnung einzuschränken, sodann Dir zu erklären suchen, welche Ursachen dazu geführt, dass das ״Leben im Judentum“ in diesen Blättern, zu kurz gekommen und endlich Dich darüber auf klären, dass Du den Untertitel meiner Zeitschrift überhaupt missverstanden hasL